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Straßenbau: Verfehlte Verkehrspolitik

Straßenbau : Verfehlte Verkehrspolitik

Zum Artikel „Land plant Ausbau der B 50 neu bis zum Hahn“ (TV vom 23. April) schreiben Hanns Schuster, Dr. Karl-Georg Schroll und Wilfried Plohmann:

Na endlich, die rot-grün-gelben Schlafmützen, allen voran Minister Volker Wissing (FDP), sind aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Eigentlich ist er ja ein wirtschaftlich denkender Realo, wären da nicht noch einige grüne und rote Bremsklötze in der Regierung.

Es hat lange gedauert, aber warum erst jetzt? Die Notwendigkeit war schon bei der Planung der Hochmoselbrücke jedem vernünftigen Menschen bewusst. Na, Vernunft gehört wohl nicht zur Politik unserer Landesregierung. Dies hat man an vielen zweifelhaften Entscheidungen gesehen.

Es gibt wohl keine einfachere Planung eines Ausbaus als den der B 50 neu auf 16 Kilometern. Keine Ortschaften oder Täler stören. Die alte B 50 kann sicher teilweise übernommen werden. Gut, die Strecke führt durch Waldgebiet. Aber da die Waldfläche in Deutschland insgesamt wächst, ist das ein kleines Übel. Viel wichtiger sind die Vorteile des Ausbaus für die Wirtschaft, für unsere Versorgung, für die Umwelt, für den Flughafen Hahn und für die Verbesserung der Sicherheit auf dieser gefährlichen Straße. Dass die Landesregierung in den letzten Wahlperioden immense Zuschüsse des Bundes verloren hat, muss uns allen bewusst sein. Die Gründe: eine verfehlte Verkehrspolitik ohne schnelle Entscheidungen und ein sehr träger Planungswille.

Wie lange warten wir schon auf den Lückenschluss der A 1? Was ist mit dem Moselaufstieg von Trier-West nach Luxemburg? Und das Nadelöhr, die A 60 (E42) bis Belgien, ist teilweise immer noch einspurig. Endlose Staus verbrauchen Zeit, der Schwerverkehr, der durch Orte rollt, belastet die Bürger und die Umwelt, und Pendler sind länger von ihren Familien getrennt.

Mein Appell: Stopp mit den Verzögerungen der Verkehrsplanung, und lassen Sie uns nächstes Jahr an der Urne mit der Regierung abrechnen!

Hanns Schuster, Bernkastel-Kues

Noch ist April. Aber für einen Aprilscherz, dachte ich, schon zu spät. Man möchte sich an den Kopf fassen. Die Hochmoselbrücke ist fertig, der verkehrspolitische Flop ist nicht mehr zu verstecken. Die Logistikbranche hat diesem Projekt schon den Mittelfinger gezeigt. Die Hoffnung, wenn man einfach nur fast eine halbe Milliarde Euro zwischen zwei Hügel schmeißt, dann wird die Weltelite der Versorger und Transporter ihre Routen ändern und der Flughafen Hahn sich von selbst erheben. Zwar gibt es noch keine offiziellen Verkehrszählungen, aber die inoffiziellen besagen, dass der Frachtverkehr bei weitem nicht der damals schöngerechneten Prognose entspricht. Jetzt glaubt die Landesregierung, wenn wir den Rest noch ausbauen, dann wird es besser. Ja, besser wird es für die Landbevölkerung im Hunsrück – wie jetzt auch schon. Man ist mit dem PKW schnell in Wittlich oder auf der Autobahn. Aber braucht man den vierspurigen Ausbau zwischen Hinzerath und Kleinich? Wenn die großen Logistikfirmen sowieso ihre Routen nicht ändern? Wieder Geld ausgeben für nichts?

Es werden circa 160 Millionen Euro für den vierspurigen Ausbau kolportiert. Im Koalitionsvertrag steht nichts, was Minister Wissing umsetzen müsste. Aber das Geld, das für diese unnütze Maßnahme ausgegeben wird, fehlt beim Ausbau notwendiger Schienennetze. Die Hunsrückquerbahn zum Beispiel, auch um den Nationalpark umweltfreundlich zu erschließen, wartet seit Jahren auf ihre Reaktivierung. Das wäre ein Beitrag für den Klimaschutz.

Das Geld nur in den Straßenverkehr zu stecken, ist kontraproduktiv für die Umwelt. Dieser Ausbau der B 50 ist absolut sinnfrei.

Dr. Karl-Georg Schroll, Wiltingen/Saar

„Mit Hochdruck“ plane das Land fünf Monate nach Eröffnung des Hochmoselübergangs die vierspurige Fortführung der B 50 neu, ist da im TV zu lesen. Fünf Monate nach Eröffnung des Hochmoselübergangs. Ich frage mich: Ist da bei der Heimfahrt nach Mainz im Anschluss an die Eröffnung dem einen oder anderen aufgefallen, dass er eine Engstelle, ein Nadelöhr passieren muss? Oder war man nach Jahrzehnten der Planung, zunächst als A 60, dann als B 50 neu, so lange so sehr mit Augen und Gedanken auf den Rutschhang auf der Eifel-Seite fixiert, dass man den 16 Kilometer langen Engpass auf der Hunsrück-Seite einfach vergaß? Die drei Jahre Rutschhangnachbesserung hätten doch wirklich für eine umfassende Planung verwendet werden können. Nun, wir sind jedenfalls zu beneiden um Verantwortliche, die sich so intensiv um den Rutschhang gekümmert haben, dass sie Entscheidendes drumherum vergessen zu haben scheinen. Der Berg wird die Brücke jetzt nicht mehr zum Einsturz bringen.

Apropos Berg. Es könnte natürlich auch an der Höhenluft liegen, die die Verantwortlichen im Mainzer Rheintal verwirrt. Der Kirmesplatz am Nürburgring sollte von einem nicht vorhandenen Milliardär finanziert werden – liegt in den Eifelbergen, in der Höhenluft. Der Flughafen Hahn sollte einem jugendlich wirkenden Flugkapitän und Arzt mit Büros in einem chinesischen Reifenhandel verkauft werden – liegt oben im Hunsrück, in der Höhenluft. Und auch das Ende der Ausbaustrecke der B 50 neu und deren Anschlusspunkt an die bisherigen vier Spuren liegen in der Höhenluft. Und die Höhenluft ist wohl auch so gesund, dass ein achselzuckendes Lächeln deren Einatmer zur Wiederwahl der bisherigen Verantwortlichen bewegen wird.

Wilfried Plohmann, Kenn