Verwechslungsgefahr

Ich gehöre der Generation an, die im Schulunterricht der Nachkriegszeit die Bibel auswendig lernen muste und, wenn wir diese Pflicht versäumten, mit Strafarbeiten oder sogar Prügel zu rechnen hatten.

Dass diese fragwürdige pädagogische Praxis heute nicht mehr angewandt werden darf, ist selbstverständlich und bedarf keiner Diskussion. Als positives Ergebnis dieser fragwürdigen pädagogischen Praxis kam immerhin dabei heraus, dass wir die Bibel (die damalige Ecker-Schulbibel) weitgehend auswendig kannten. Und so wussten wir unter anderem die Stadt Kana (oder Kanaa) in Galiläa, wo Jesus als Gast auf einer Hochzeit das erste seiner Wunder (Joh. 2,1 ff) wirkte, nämlich die Verwandlung von Wasser in Wein, vom Lande Kanaan zu unterscheiden, in das die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten und der langen Wanderung durch die Sinai-Wüste einwanderten. Walter Weber hat völlig Recht, wenn er in seiner Kolumne die - laut repräsentativen Umfragen - mangelnde Bibelkenntnis von Erwachsenen und Jugendlichen beklagt und als Verlust eines wertvollen Kulturgutes darstellt. Dieser Feststellung möchte ich ausdrücklich zustimmen. Die allermeisten Leser werden deshalb auch nicht die Verwechslung von Kana und Kanaan wahrgenommen haben. Trotzdem ist es bedauerlich, wenn hier etwa der Druckfehlerteufel gerade im Zusammenhang mit diesem Thema so unbarmherzig zugeschlagen haben sollte. Ernst Neumann, Gutweiler Anm. d. Red.: Herr Neumann hat Recht. Die Bezeichnung "Hochzeit zu Kanaan" wird sehr häufig verwendet - unter anderem wörtlich in der zugrunde liegenden Umfrage des Instituts Allensbach -, ist aber gemäß Bibel-Überlieferung falsch.