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Gesellschaft: Vielen Dank, Johann!

Gesellschaft : Vielen Dank, Johann!

Zum Artikel „Jetzt macht’s der Hausherr selbst“ (TV vom 7./8. März) schreibt Axel Barta:

Ich war mit meiner morgendlichen Volksfreund-Lektüre schon fast durch, als ich neugierig die Aufzählung eines von Johann Lafer zu einer Restaurant-Eröffnung in Trier zuzubereitenden Fünf-Gänge-Menüs las. Mit Genuss ließ ich die einzelnen Gänge vor meinem inneren Auge vorbeigleiten und versuchte mir vorzustellen, wie sie wohl schmecken würden. Beim fünften Gang, dem Dessert angekommen, blieben meine Augen wie gebannt hängen. Dort stand zu lesen: „Johann Lafers Mohrenkopf mit Gewürzorangen und Vanille-Eis“. Ich las noch ein zweites und dann ein drittes Mal. Nein, ich hatte mich nicht verlesen, ein Druckfehler war es auch nicht. Bei dem Wort „Mohrenkopf“ lief sofort ein Film ab. Von meiner Kindheit. Als ich die dicken Dinger so liebte, und den Sarotti-Mohr, „Die Kleine Hexe“ von Otfried Preussler, oder als ich mich über die Karnevalstage in den 60ern im Indianerkostüm einfach für ein paar Tage wegträumte, zu Winnetou und Old Shatterhand. Und wir Feld, Wald und Wiese zu unserem Abenteuerspielplatz erklärten. Alles weggefegt vom Fegefeuer der politischen Korrektheit. Inklusive einem der Heiligen Drei Könige. Den hat man nun auch gegen einen weißen ausgetauscht. Eigentlich ein Widerspruch in sich. Einfach mal die Hautfarbe in die vermeintlich richtige geändert. Warum nicht die beiden weißen Könige auch schwarz machen? Das alles schoss mir beim morgendlichen Kaffee so durch den Kopf. Und alles nur, weil Johann Lafer seinen Mohrenkopf zubereitet. Sofort fragte ich mich natürlich, ob er den Schuss nicht gehört hat, wie das nur passieren konnte, ob er nun von der Sittenpolizei festgenommen wird, am Ende noch wegen Rassismus angefeindet wird. Ein Horrorszenario ging mir durch den Kopf. Armer Johann. Hoffentlich bin ich nun nicht an seiner Verfolgung und Denunziation schuld. War es gar Absicht, Ignoranz oder einfach nur Schusselei? Mir war’s vollkommen egal. Ich konnte nach den fürchterlichen letzten Tagen und Wochen endlich einmal wieder laut und herzhaft lachen. Vielen Dank,  Johann!

Axel Barta, Strohn