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Völlig überhöht und ungerechtfertigt

Völlig überhöht und ungerechtfertigt

Zum Artikel "Der Gaspreis bröckelt" (TV vom 8. Oktober):

Die so genannte "Ölpreisbindung" gilt schon seit einem halben Jahrhundert. Danach orientiert sich der Gaspreis - aus Wettbewerbsgründen - an der Preisentwicklung des Heizöls. Diese Preiskoppelung soll den Verbraucher vor der Marktmacht der wenigen Erdgasproduzenten schützen und den Gaspreis auf einem angemessenen Niveau halten. Die Gaspreise folgen also tendenziell dem Ölpreis. Sinkt der Preis für leichtes Heizöl, fällt zeitverzögert - und zwar nach sechs Monaten - auch der Gaspreis; klettert er, soll auch der Gaspreis zeitverzögert steigen.

Die Ölpreisbindung hat in der Vergangenheit immer funktioniert, wenn der Gaspreis von unserem Versorger, Energie-Versorgung Mittelrhein (EVM), an den gestiegenen Ölpreis angeglichen wurde, und zwar nicht zeitverzögert nach sechs Monaten, sondern oft sofort und vor allem vor oder im Winter. Aber umgekehrt hat die EVM eine Senkung des Gaspreises vor allem im Winter verweigert und auf die heizschwachen Monate verschoben. Dabei wurde dann auch noch die tatsächliche Senkung des Ölpreises missachtet. Der Gasversorger EVM hat also während der Heizperiode einen völlig überhöhten, daher ungerechtfertigten Gaspreis berechnet und seine Kunden regelrecht abgezockt.

Diese auf dem Gasmarkt übliche Preispolitik wird auch von den Stadtwerken Trier (SWT) betrieben: Seit Juli 2008 ist der Ölpreis rasch von 147 auf 95 Euro (35 Prozent) pro Barrel (159 Liter) und seit Anfang Oktober nochmals auf 80 Euro (45 Prozent) drastisch gesunken. Spätestens ab 1. Januar 2009 müsste der Gaspreis dem gesunkenen Ölpreis folgen und um 35 beziehungsweise 45 Prozent sinken. Aber der SWT-Vorstand Horn feck "rechnet höchstwahrscheinlich nur mit einer leichten Entlastung" und stellt lediglich eine Senkung des Gaspreises zum 1. April in Aussicht. Mithin wird es nicht zu einer angemessenen Senkung kommen, so dass der Preis im kommenden Winter auf einem völlig überhöhten Niveau bleibt. Dieser Preismanipulation kann sich der Kunde nur durch den Wechsel zu einem günstigeren Anbieter entziehen und so ein Zeichen gegen die Preistreiber auf dem Gasmarkt setzen.

Herbert Franzen, Gerolstein

wirtschaft