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Sprache: Vulgärer Schwachsinn

Sprache : Vulgärer Schwachsinn

Zum Forum „Vorwiegend heiter“ (TV vom 10./11. Oktober) schreiben Horst Schmitt und Christian Miedreich:

In seiner Kolumne veröffentlicht Peter Reinhart einige Lieblingswörter von Lesern, verbunden mit deren Kommentaren. Darunter auch den Beitrag von Martin Dücker aus Hinzenburg. Dieser Beitrag hat bei mir Fassungslosigkeit ausgelöst. Dass diese Person sich im Internet unter dem Pseudonym „Schließmuskelzerrung“ vorstellt, ist ja schon eine Geschmacklosigkeit erster Güte, und ich habe mich bereits, als ich beim Lesen an dieser Stelle angekommen war, gefragt, was Sie bewogen hat, einen derartigen Schwachsinn zu zitieren. Was aber das zweite Lieblingswort des Lesers, nämlich „Käfftebuijer“, angeht, verschlägt es mir die Sprache. Es handelt sich um das vulgärste Wort, das ich in der Trierischen Mundart kenne.

Ein Blick in das Trierische Wörterbuch: Keft (f.), Kefden = Gesäß, bujen = koitieren. Bei beiden Wörtern handelt es sich um Begriffe aus dem Rotwelschen, das in Trier unter der Sonderform des Jenischen auftritt. Zusammengezogen zu einem Substantiv ist ein „Keftenbujer“ jemand, der Analverkehr praktiziert. Das entsprechende hochdeutsche Vulgärwort spare ich mir.

Wenn jetzt der Leser Martin Dücker auch noch behauptet, diese Bezeichnung sei eine nicht diskriminierende Bezeichnung für Homosexuelle, überschreitet er jede Grenze des Erträglichen. Was Peter Reinhart geritten hat, diese Leseräußerung zu veröffentlichen, ist mir ein Rätsel.

Horst Schmitt, Trier

In dieser Kolumne nennen zwei Leserbriefschreiber Wörter, die in diesem Zusammenhang zu lesen mir doch etwas befremdlich erschienen. Diese Wörter implizieren keineswegs einen heiteren, lustigen Umgang mit Sprache, sondern sind gezielte Diffamierungen. Zum einen geht es um das Wort „Käfftebuijer“, welches eine sehr abwertende Bezeichnung für schwule Männer und keineswegs nur eine „nicht verurteilende Bezeichnung für Homosexuelle“ darstellt. In selbigem Beitrag wird als zweites Lieblingswort „Schließmuskelzerrung“ genannt, was für sich alleine harmlos lustig erscheint, allerdings im Zusammenhang mit ersterem Wort doch eine deutlich homophobe Haltung dieses Herrn erkennen lässt.

 Der zweite Beitrag enthält das Wort „Bionade-Pharisäer“, welches sich als diffamierende Bezeichnung eines AfD-Mitgliedes gegenüber Mitgliedern der Partei „Die Grünen“ zuordnen lässt. Im Zusammenhang mit lustig-heiteren Wörtern ist es doch auch eher befremdlich, so etwas zu lesen.

Der Volksfreund hat sich durch Abdrucken dieser Beiträge nicht mit Ruhm bekleckert und sollte sich bei den betroffenen Gruppen entschuldigen.

Christian Miedreich, Krefeld