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Leserbriefe
Warum Bewegung so wichtig ist

Zum Artikel „Abstrampeln für bessere Noten“ (TV vom 9. März) schreibt Theo Lamberts:

Dass Bewegung die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, die Auffassungsgabe verbessern und damit zu besseren Schulleistungen sowie durch den Abbau von Aggressionen positive Auswirkungen auf das Sozialverhalten haben kann, ist keine so ganz neue Erkenntnis.

Bereits Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts plädierte der Schweizer Pädagoge Urs Illi für mehr Bewegung in der traditionellen Sitzschule und den damit verbundenen negativen Begleiterscheinungen wie Kopfschmerz. So entwickelte er ein erstes Konzept der Bewegten Schule mit dem Hauptaugenmerk der verbesserten Ergonomie der Schülerarbeitsplätze, also einem eher kompensatorischen Ansatz. Daneben spielte aber auch eine lernpsychologische Sicht (Förderung der geistigen Leistungsbereitschaft, Lernfreude und Lernklima) eine Rolle.

In Deutschland wurde dieser Ansatz unter anderen von Dieter Breithecker (Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung) in seiner Dissertation aufgegriffen, fand bei Helga Pollähne (Universität Koblenz-Landau), aber vor allem bei Christina Müller (Universität Leipzig) einen eher reformpädagogischen Ansatz. Auch in Rheinland-Pfalz war das Interesse an diesem Konzept sehr groß. So nahmen Ende der 90er Jahre über 700 Lehrkräfte an Fortbildungsangeboten teil.

Warum aber Bewegung im Unterricht – und was kann sie bewirken? Bewegung fördert die Zunahme von Nervenwachstumsfaktoren, sie verstärkt die Synapsenbildung und optimiert das Aktivierungsniveau. Die Anzahl der bearbeiteten Zeichen in einer Bewegten Schule liegt in der fünften Stunde noch bei 575, bei normalem Unterricht aber nur bei 259, also nicht einmal bei der Hälfte. Zum Sozialverhalten: An einer Bewegten Schulen ist die Anzahl der Aggressionen nicht einmal halb so hoch wie an „normalen“ Schulen. Es geht aber nicht darum, den Schulalltag mit Bewegungsaktivitäten anzureichern, sondern einen Schulentwicklungsprozess in Gang zu setzen, der Bewegung als integralen Bestandteil schulischen Lebens und Gestaltens begreift. Bewegung soll zu einem konstruktiven Element von Lernen und Wohlbefinden in der Schule werden.

Wie kann eine Schule „Bewegte Schule werden?“ Bewegte Schule muss in den Köpfen aller an Schule Verantwortlichen erfolgen, den Lehrkräften und Schulleitungen, aber auch den Eltern und Schulträgern. Besonders erfolgreich ist es, wenn Schüler im Sinne von „Betroffene zu Beteiligten machen“ am Prozess beteiligt werden, denn sie – und nicht die Erwachsenen (auch wenn diese das nicht wahrhaben wollen) – sind die Experten für ihre Lebenswelt.

Das Konzept der Bewegten Schule bietet auch ganz viele positive Ansatzpunkte für Ganztagsschulen, die in letzter Zeit in Leserbriefen eher schlecht bewertet wurden.

Theo Lamberts, Altrich