Warum in die Ferne schweifen …

Warum in die Ferne schweifen …

Zum Artikel "Feierlaune freut Mosel-Sektkellereien" (TV vom 31.Dezember):

Tatsächlich freuen sich die Sekthersteller - nicht nur von der Mosel, sondern aus ganz Deutschland - über die rege Nachfrage nach ihren edlen Produkten. Die Tatsache, dass aber neben den etwa 30 Millionen Flaschen deutschen Sekts, die nach dem klassischen traditionellen Verfahren hergestellt sind (exakte Zahlen gibt es nicht), auf dem deutschen Markt noch rund elf Millionen Flaschen Champagner abgesetzt werden, erstaunt.

Kürzlich berichtete der weltbekannte Weinkritiker Stuart Pigott über eine Sektprobe in Berlin. Es sollte dabei nicht die Qualität in Punkten ausgedrückt werden, sondern die Prüfer mussten das Preis-Leistungs-Verhältnis ermitteln. Dabei stellte sich heraus, dass die Champagner zwar nicht als schlecht, aber - mit einer Ausnahme - als überteuert empfunden wurden. Anders die deutschen Sekte, die nach dem traditionellen klassischen Verfahren hergestellt sind: Sie wurden - verglichen mit dem Preis - als die Besseren bewertet. Überraschend dabei ist, dass die Jury nicht nur aus Sektfachleuten, sondern auch aus Champagner-Freunden bestand.

Pigott schloss aus diesem Ergebnis, dass die Champagnerhäuser, damit das Marketingziel, ihr Produkt mit Glamour und Luxus zu assoziieren, erreicht wird, einen hohen Werbeetat benötigen. Dieser wiederum muss durch einen entsprechend hohen Flaschenpreis finanziert werden.

Fazit: Die hohe Qualität deutscher Sekte, die nach dem traditionellen klassischen Flaschengärverfahren hergestellt sind (Winzersekt, Crémant), sind zu einem vergleichsweise günstigen Preis zu haben; und dem Verbraucher wird garantiert, dass nur deutsche Grundweine verarbeitet wurden.

Hilfestellung bei seiner Kaufentscheidung kann der Sektfreund insofern nutzen, indem er von der Landwirtschaftskammer oder der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) prämiierte Sekte bevorzugt. In den letzten Jahren ist auch die vom Verband der klassischen traditionellen Flaschengärer initiierte "Goldene Perle" eine Auszeichnung, die auf höchste Qualität hinweist. Alles in allem gilt auch hier: "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah."

Hans-Peter Bach, Präsident des Verbandes der klassischen traditionellen Flaschengärer, Trier

Weinbau