Politik: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu

Politik : Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu

Zum Interview „,Man liebt sich nicht mehr genug in Europa’“ (TV vom 27. September) schreibt Dr. Michael Rolffs:

Politische Beziehungen sind keine Liebesbeziehung, dies einmal vorweg, auch wenn man manchmal bei Jean-Claude Juncker den Eindruck bekommt, dass er im Umgang mit seinen politischen Partnern den Eindruck vermitteln will, dem sei so. Man denke an seine Umarmungen und Wangenküsse.

Grundlage politischer Beziehungen, wie auch der von Liebesbeziehungen, ist ein gegenseitiger Respekt, sind Anerkennung und die Bereitschaft, gemeinsam einen Weg zu gehen, der auch Kompromisse fordert. Dies gelingt im Regelfall einfacher, wenn man sich mag.

Herrn Juncker ist recht zu geben, dass wir in Europa, aber auch global, zu der Erkenntnis gelangen müssen, dass wir die vor uns liegenden Probleme nur gemeinsam lösen können.

Das Klima kennt keine Grenzen. Migranten überwinden Grenzen.

Wenn Europa und die internationale Staatengemeinschaft sich abgrenzen, anstatt Grenzen zu überwinden, wird es den Menschen Europas und der Welt nicht gelingen, die vor uns liegenden Probleme zu überwinden, deren Botschaft die der Zusammenarbeit und nicht der Abgrenzung ist. Wenn dies nicht gelingt, wird der Untergang der Menschheit langfristig die Folge sein.

Konflikte in Beziehungen fordern uns heraus. Ein Leben ohne Konflikte ist nicht vorstellbar, da es zu Stillstand, fehlender Weiterentwicklung führt. Konflikte bieten den Beteiligten immer die Möglichkeit, daran zu wachsen oder zu scheitern. Das ist bei politischen Beziehungen nicht anders als bei Liebesbeziehungen. Man muss sich nicht lieben, um Konflikte zu lösen. Die europäischen und globalen Konflikte, mit denen sich die Menschen heute konfrontiert sehen, mahnen uns alle, dass wir diese nur gemeinsam lösen können.

Hier kann die christliche Maxime „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ hilfreich sein. Oder humanistisch formuliert: „Tue deinem Nächsten immer nur das, was du willst, das er dir tue.“

So betrachtet hilft es, über die Worte von Jean-Claude Juncker nachzudenken, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass auch in der Politik am Ende aller Überlegungen der Mensch steht, der nur dann wächst und gedeiht, wenn er Wertschätzung, Anerkennung und Akzeptanz erfährt, geliebt wird.

Dr. med. Michael Rolffs, Daun