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Weihnachten: Was für eine Farce!

Weihnachten : Was für eine Farce!

Zu den Artikeln „Danke­schön-Geschenke für regionale Müllmänner verboten“ und „Was hat das mit Korruption zu tun?“ (TV vom 11. Dezember) sowie zu Leserbriefen zum Thema schreiben Michael Schulte-Heuthaus, Barbara Wünsch-Schirmer und Maria Peters:

Da kommt jemand hergelaufen und will uns Eifelern eine jahrzehntealte Tradition verbieten, den Müllmännern am Ende des Jahres für ihre schwere und dreckige Arbeit eine kleine Anerkennung zukommen zu lassen. Ein Lächeln und ein Danke seien angeblich genug.

Wie misstrauisch muss man sein,  und wie wenig muss man von seinen Mitarbeitern halten, wenn man gleich Bestechung vermutet?

Dann werden auch noch wüste Drohungen ausgestoßen, von Abmahnungen und sogar Entlassungen ist die Rede.

Als ob auch nur ein einziger Müllmann für eine Flasche Schnaps oder eine Schachtel Pralinen seinen Job riskiert und den Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt. Ich kann mir nur vorstellen, dass der Neid federführend war bei diesem Verbot, denn die Entscheidungsträger des Abfallzweckverbands ART haben nur ein Geschenk verdient, ein kleines, durchgeweichtes, stinkendes Bio­tütchen mit der zynischen Aufschrift: Ein Plus für alle.

Michael Schulte-Heuthaus, Daun-Gemünden

Mit immer größer werdendem Unmut verfolge ich die unselige „Weihnachtsgeschichte“ des Zweckverbands ART und ihres Chefs Max Monzel über die Geschenke für die Werker der Müllabfuhr sowie die  angebliche Bestechlichkeit und Androhung von Kündigungsmaßnahmen, sollten die netten Müllwerker etwas annehmen.

Wovon sprechen wir hier? Von einem Luxusauto, einer Reise in die Karibik, einem Fünf-Sterne-Aufenthalt im Atlantis in Dubai, oder von einer Schachtel Pralinen, einem Salami-Weihnachtsmann oder fünf  Euro für die Kaffeekasse?

Glaubt die ART allen Ernstes, die Müllwerker merken sich jede Mülltonne, an der ein kleines Dankeschön hängt (sie könnten die Tonne natürlich kennzeichnen), um diese Tonne in Zukunft besonders schnell und gründlich zu leeren?

Wir haben in unserer Firma einen externen Reinigungsdienst, und unsere Abteilung hat dieses Jahr unserer netten, zuverlässigen Kraft als Dankeschön für die Reinigung durch das ganze Jahr hindurch ein gemeinschaftliches Geschenk zu Weihnachten gemacht.

Ich persönlich hatte mir die „Frechheit“ erlaubt, ihr Anfang Dezember einen süßen Adventskalender zu schenken, nicht etwa, weil ich mehr Dreck verursacht habe oder nun erwarte, dass mein Papierkorb häufiger geleert wird, sondern einfach, weil ich gerne schenke und es mir Freude macht (nebenbei: Der Dame droht kein Kündigungsverfahren wegen Annahme der Geschenke).

Worum geht es bei dieser Farce? Die ART verdoppelt die Abfuhrgebühren nächstes Jahr und droht gleichzeitig jedem Mitarbeiter mit Kündigung, der ein kleines weihnachtliches Dankeschön von den Menschen annimmt, die sich freuen, dass bei Wind und Wetter die Mülltonnen geleert werden.

Lassen wir uns tatsächlich durch solche Drohungen gegen die Müllwerker entmündigen und verzichten auf ein kleines Danke für einen zuverlässigen und sehr guten Service? Haben wir sonst keine Sorgen?

Wie beschämend ist das denn in einem Land, in dem sich immer häufiger über schlechte Dienstleister, unfreundliches Personal und ignorante Mitmenschen beschwert wird?

Ich wünsche allen, die unseren Müll entsorgen, ein gutes neues Jahr!

Barbara Wünsch-Schirmer, Waldrach

Haben wir in Deutschland keine andren Sorgen? Arbeitern, die bei Wind und Wetter ihren Job machen, egal in welcher Branche, eine kleine Geste für ihre geleistete Arbeit zu untersagen, ist wohl bodenlos. Es wundert nicht, das jeder Handwerksbetrieb nach Personal schreit, wenn man bedenkt, dass man für etwas weniger zu Haus auf der Couch bleiben kann – und diejenigen, die sich dafür schämen würden, anderen zur Last zu fallen und arbeiten gehen, werden noch bestraft, wegen eines kleinen Dankeschöns.

Bei unseren Politikern geht so manches unterm Tisch durch, und bestimmt keine Kleinigkeiten. Das lässt man oft genug auf sich beruhen, aber wen wundert’s, unsere Politiker dürfen auch ein Schläfchen halten während der Sitzung im Bundestag, kommen noch mit Bild in die Zeitung, ein Arbeiter bekommt eine Abmahnung.

Armes Deutschland.

Maria Peters, Sinspelt