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leserbriefe: Was Spaß macht – und was nicht

leserbriefe : Was Spaß macht – und was nicht

Zur Berichterstattung über die Weltmeisterschaft in Russland und zur Zukunft der deutschen Nationalmannschaft schreibt Rainer Ludwig, speziell zum Artikel „Was für ein Finale! Frankreich feiert Titel“ (TV vom 16. Juli) merkt Thomas Dickmann an:

Nun ist die Fußball-WM mit Frankreich als würdigem Sieger vorüber, bei der die DFB-Elf in Russland leistungsgerecht schon in der Vorrunde ausgeschieden ist. Über die Gründe für das Dilemma ist von Experten sagenhaft viel geschrieben und spekuliert worden, doch am überzeugendsten war für mich die Erklärung eines Laien, dass meistens nicht die bessere Mannschaft, sondern diejenige gewinnt, die mindestens ein Tor mehr schießt.

Die gespaltete, verunsicherte, enttäuschte und entrüstete deutsche Fußball-Nation sollte diese Binsenweisheit gelassen zur Kenntnis nehmen und auf die Zukunft setzen.

Das Turnier war vom Achtelfinale an auch ohne deutsche Beteiligung bis zum torreichen Endspiel der Franzosen gegen die Kroaten spannend. Die Zeit war eben reif, endlich Gary Linekers vielzitiertes Fußball-Bonmot, wonach „am Ende immer die Deutschen gewinnen“, aus den Köpfen zu bannen.

Wichtiger ist jetzt der aufmunternde Zuspruch „auf eines Neues“ für die Unterlegenen.

Es soll fortan keine sogenannten Freundschaftsländerspiele mehr geben, die in der Vergangenheit selten einen verlässlichen Aufschluss über den Leistungsstand geben konnten.

Jedenfalls hat sich die Uefa stattdessen mit der Nations League einen neuen, komplizierten Wettbewerb mit vier Ligen einfallen lassen, der umstritten ist, aber vordergründig mehr Geld in die Kassen der „armen“ Verbände bringen wird. Die Auslosung ergab, dass Deutschland nach dem ausgeklügelten System gleich in einer vermeintlichen Besten-Gruppe gegen Frankreich und die Niederlande zu spielen hat.

Das lässt doch alle Fußballherzen wieder höher schlagen! Schon am 6. September geht es los mit dem Knüller gegen den neuen Weltmeister in München.

Gelingt so rasch der nötige deutsche Neuaufbau? Kreiert Jogi Löw ein torgefährlicheres, neues Spielsystem mit neuen Talenten im traditionellen Adlertrikot gegen die Équipe Tricolore mit dem gallischen Hahn? Ich rate allen erfahrenen Propheten, das Ereignis abzuwarten. Aber die Laien wissen schon, wer gewinnt …

Rainer Ludwig, Kordel

In den Bericht „Was für ein Finale! Frankreich feiert Titel“ wird „ein von Griezmann geschickt herausgeholter Freistoß“ durch diese Formulierung gutgeheißen, obwohl es eine Schwalbe war. Mich macht diese grobe Unsportlichkeit wütend, und sie sollte angeprangert, nicht verniedlicht werden. Überhaupt war diese WM ein Höhepunkt schlechter – und leider meist ungeahndeter – Schauspielerei und unsportlichen Verhaltens.

Das geht bis hin zum schneckengleichen Zwei-Minuten-Gang zur Auswechselzone, wenn die eigene Mannschaft führt. Schöne Vorbilder für unsere Kinder sind das. Es kann einem den Spaß am Fußball verleiden.

Thomas Dickmann, Mertesdorf