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leserbriefe
Weit weg von der Realität

Zum Artikel „Patienten sollen per Telefon zum Arzt gelotst werden“ (TV vom 23. Juli) schreibt Konrad Theis:

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, schlägt vor, Patienten mit akuten Beschwerden sollten sich künftig per Telefon zum richtigen Arzt dirigieren lassen. Damit wäre das Problem der überfüllten Notaufnahmen in Krankenhäusern behoben. Mit dieser Verfahrensweise wird man das Problem nicht lösen können. Wer sich in einer Notlage mit Schmerzen befindet, wird immer den direkten Weg in eine Notaufnahme suchen.

Herr Gassen ist wohl sehr weit von der Realität vor Ort entfernt und kennt nicht das Verhalten der überwiegenden Anzahl von Patienten bei akuten Beschwerden. Alle wollen möglichst schnell behandelt werden und gehen in die Notaufnahme des Krankenhauses. Dies ist die derzeitige Realität, die einem auch im Bekannten- und Freundeskreis bestätigt wird.

Um das Problem der überfüllten Notaufnahmen zu lösen, sollte man eingetretene Pfade verlassen und überlegen, wie man einfache Notaufnahmen außerhalb von Krankenhäusern in Stadtteilen, kleinen Städten und auf dem Land einrichten kann. Patienten hätten kürzere Wege und könnten hier versorgt oder, wenn nötig, in die Notaufnahme eines Krankenhauses überwiesen werden. Das Modell bestünde darin, dass mehrere Ärzte eine Genossenschaft gründen und Mediziner beschäftigen, die aus vielerlei Gründen, etwa Halbtagsbeschäftigung wegen Kindererziehung, kein Interesse an einer eigenen Praxis haben. Eine solche Genossenschaft könnte ein Notfallzentrum organisieren.

Konrad Theis, Trier