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Energie: Wem nützt das?

Energie : Wem nützt das?

Zum Artikel „20 Jahre Kampf um erneuerbare Energie“ (TV vom 1. April) schreibt Peter Kühn:

Was gut gedacht war, wurde mit der Zeit schlecht gemacht. Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sollte die Kosten für den Umstieg auf alternative Energieträger auf viele Schultern verteilen, aber mit der Zeit wurden immer mehr starke Schultern davon befreit. Das kommt in diesem Artikel nicht nur zu kurz, es wird ganz verschwiegen. Ein Schelm? Gezielte Desinformation, könnte man es nennen, wäre der TV nicht so ein seriöses Blatt.

In diesem Artikel hätte man Ross und Reiter benennen können und müssen. So wurden unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel, durch alle Koalitionen hindurch, immer mehr große Konzerne, aber auch kleine Unternehmen von der EEG-Umlage befreit. Sogar Unternehmen wie die Zugspitzbahn, warum auch immer, aber auch Versicherungskonzerne. Die Liste derer ist lang und kann mit Geduld im Netz gefunden werden.

Aber was hat diese Befreiung für Folgen? Die EEG-Umlage ist wie im Artikel beschrieben exorbitant für die angestiegen, die sich nicht befreien lassen konnten, und die EEG-Umlage, eigentlich eine gute Sache, kam in Verruf, genau wie der gesamte Umstieg. Da fragt man sich als kleines Lichtlein: Wem nützt das?

Die Antwort liegt klar auf der Hand: allen, die den Umbau unserer Energieversorgung Knüppel zwischen die Beine werfen wollten und konnten. Wir könnten in Deutschland heute schon viel weiter und ein wirklicher Exporteur der Idee eines Umbaus sein. Was den vier großen Energiekonzernen aber nicht zupass kommt. Diese wollen zentrale Energiegewinnung und lange Zuleitungen. Denn damit ist, wenn man es richtig anstellt, auch richtig gut Geld zu verdienen.

Warum muss Windenergie in der Ostsee produziert und dann über lange Leitungen nach Süddeutschland transportiert werden? In Bayern weht der Wind auch, und in Baden-Württemberg scheint auch die Sonne, und in ganz Süddeutschland gibt es Bäche und Flüsse, die man mit Wasserrädern anzapfen könnte. Unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder der Wind weht.

Die deutsche Photovoltaikindustrie war eine Zukunftstechnologie und wurde innerhalb von fünf Jahren mit Hilfe der Bundesregierung faktisch abgeschafft. Dort wurden 80 000 Arbeitsplätze vernichtet. Für den Erhalt von 10 000 Arbeitsplätzen in den Braunkohlerevieren wurde ein 20-Jahre-Masterplan entwickelt. Wem möchte die Lobbyarbeit der Großkonzerne noch wie lange etwas vormachen?

Die Energieversorgung in Deutschland könnte heute schon viel dezentraler organisiert sein. Was den vier großen Konzernen aber nicht gefällt. Es könnte in jedem Dorf und in jeder Stadt eine eigenständige Energieversorgung aufgebaut sein. Auch könnten auf den circa 12 000 Kilometern Autobahn, die sowieso versiegelt sind, Photovoltaikanlagen installiert sein, was die Elektromobilität beflügeln könnte. Aber es kann der beste Geist nicht in Frieden kreativ sein, wenn es das Großkapital zu verhindern weiß.

Peter Kühn, Temmels