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Wenn jemand jemanden kennt …

FOTO: TV / Klaus Kimmling
Skandal, dickes Ding, Riesengeschichte - mit dem Wissen eines Whistleblowers fängt manche Recherche an.

Ah. Endlich. Jemand kommt auf mich zu. Wirkt unsicher, schaut sich um. In einem Biergarten in Trier, neulich abends. Das muss er sein. Der Informant.

Wir sind verabredet, genauer, jemand, den ich kenne und der sich auskennt und mir den einen oder anderen Tipp gibt, hat gesagt, er bringe jemanden mit, der ...

Wie das so ist. Ich hatte gar keine Lust hinzugehen, wenig Zeit, aber die Neugier siegte. Klang geheimnisvoll. Wollte keinen Namen nennen.

Kennen wir uns? – Nein, sagt jemand, ich weiß aber, wer Sie sind … die Zeitung … lese immer die Kolumne … vertraue Ihnen, weil das, was Sie schreiben ... habe vielleicht etwas für Sie … Skandal, dickes Ding, Riesengeschichte. Und ich muss es einfach loswerden. Interessiert? –

So fängt manche Recherche an. Ein Brief, ein Anruf, ein Treffen. Jemand sagt, dass er jemanden kennt, der weiß, dass jemand Dreck am Stecken hat. Bekannte Persönlichkeit, hohes Tier.

Meist ist nichts dran. Gerüchte. Heiße Luft. Irgendwelche Fürze, die jemand jemandem in den Kopf gesetzt hat. Wieder so ein Wichtigtuer, denke ich. Hält sich für einen Whistleblower. Oder für einen Geheimagenten. Oder so.

Und wenn doch etwas dran ist? Ab und zu liefert jemand, der jemanden kennt, ja tatsächlich heiße Infos.

Also gut, frage ich gelangweilt, was heißt das, Dreck am Stecken? – Na ja, flüstert er verschwörerisch. Jemand macht mit seinem Stecken dreckige Sachen. – Hören Sie auf, sage ich. Dreck am Stecken, mit dem Stecken dreckige Sachen machen, was soll das, was ist das fürn Schweinkram? – Genau, Schweinkram, sagt jemand. Glauben Sie nicht? Ich habe Beweise. Der … flüster flüster … im Internet ... flüster flüster … mit Foto … flüster flüster … Voicemails ... flüster flüster. –

Oh là là, sage ich, überrascht, um wen es sich handelt. Das ist Schweinkram, aber Privatsache. Geht niemanden etwas an. – Nee, sagt jemand, der jemanden kennt … wenn der erpresst wird … mit dem Schweinkram … in der Position … Saubermann … Image … Öffentlichkeit … –

Hmm. Und das stimmt alles? – Klar. – Kein Zweifel? – Nein, eindeutig identifiziert. Hier, schauen Sie sich das mal an. – Hmm. – Und das hier. – Hmm. –

Jemand will mir mehr brisantes Material über jemanden beschaffen. Und auf gar keinen Fall selbst in Erscheinung treten. Keine Sorge, Informantenschutz. So sicher wie Fort Knox.

Ob daraus eine Story wird? Abwarten. Mein Gefühl, meine Erfahrung sagen: eher nicht.

So oder so: Ich brauche andere, unabhängige Quellen, bevor ich entscheide, ob es lohnt, weiter zu recherchieren, ob der Skandal einer ist und relevant für den Rest der Welt. Oder nicht. Und im Archiv landet. Wie so manche andere heiße Info über manche andere Leute auch. Für alle Fälle. Falls irgendwann mal ...

Jedenfalls weiß ich jetzt etwas über jemanden. Wieder einer mehr.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

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