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Wer im Glashaus sitzt ...

Wer im Glashaus sitzt ...

Bildung

Zum Artikel "600 frühere Hauptschullehrer bekommen mehr Geld" (TV vom 19. Mai):
Schon erstaunlich die Skrupellosigkeit, mit welcher sich Deutschlands größter Arbeitgeber (der Staat) über ein seit dem Jahr 2006 bestehendes Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hinwegsetzt. 600 frühere Hauptschullehrer bekommen mehr Geld: Verstehe ich das richtig? Ich dachte, da gab es vor gut zehn Jahren in Rheinland-Pfalz eine Reform, wonach die (staatlichen) Hauptschulen in die neu gegründete Schulform der Realschule Plus integriert werden sollten. Und ausgerechnet in einem seit Jahrzehnten SPD-regierten Bundesland auch heute immer noch kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit?
Weiter hört man ebenso von sachgrundlosen befristeten Beschäftigungsverhältnissen nicht nur bei Lehrern (mir persönlich bekannt von der Schule meiner 14-jährigen Tochter), sondern anscheinend auch anderswo im öffentlichen Dienst. Der Staat (Bund, Länder, Kommunen) ist Deutschlands größter Arbeitgeber und speziell in den lange Zeit links regierten Bundesländern NRW wie auch RLP damit auch der größte Einzeltäter in Sachen "ungleicher Lohn für gleiche Arbeit". Auch "sachgrundlose" befristete Arbeitsverträge gehören - nicht nur im Bereich der öffentlichen Schulen - wiederum speziell in den seit Jahrzehnten SPD-regierten Bundesländern RLP und NRW zur Normalität. Wenn nicht nur die SPD gegen diese Missstände zu Felde zieht, ist das gut und richtig. Wenn sie sich aber als regierende Partei selbst nicht dran hält, dann muss sie sich nicht wundern, wenn ihr die Wähler davonlaufen.
Was nützen ständig neue Gesetze zur Lohngerechtigkeit wie das unlängst von Familienministerin Manuela Schwesig initiierte, wenn nicht einmal der Staat sich an das Allgemeine Gleichstellungsgesetz aus dem Jahr 2006 hält?
Joachim Sels
Ralingen