1. Meinung
  2. Leserbriefe

Gesundheit: Wer ist wir?!

Gesundheit : Wer ist wir?!

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Damian Hippolyt Gindorf, Oliver Schuler und Jutta Just:

Wir impfen zu langsam. Wir haben zu wenig Impfstoff bestellt. Wir machen unsere Wirtschaft kaputt. Wir? Nein, die EU hätte Milliarden Euro aus dem Fenster schleudern sollen, um mehrere hundert potenzielle Impfstoffe (Stand 26. Januar laufen nach der WHO über 236 Projekte) vorzubestellen.

Nein, Jens Spahn hat zu wenig Impfstoff für uns bestellt. Nein, Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidenten zerstören unsere Wirtschaft, unsere Kultur, unseren Sport, unsere Psyche, unsere Geldreserven, unsere Existenz.

Wir? Uns? Wer ist das? Wir, das sind in allen Diskussionen immer wieder wir, die keine politische Verantwortung tragen. Wir, das sind immer wieder Politiker der Opposition, die sich profilieren wollen mit einem steten „Dagegen!“, AfD, FDP, Linke im Bund, die CDU im Land A und Grüne oder SPD im Land B. Wir, das sind wir, die wir weder Hoffnung noch Glauben haben, dass sich alles zum Guten dreht. Wir, das sind wir, die wir kein Vertrauen mehr haben in den Menschen, in das Leben und in Gott.

Wir – das ist ein einziger Egoismus! – Das sind in jeder Argumentation nur wir Deutschen. In einer Zeit, in der auf das Zeigen von Interesse für die Heimat und Traditionen von Menschen fremder Herkunft, auf beschreibende Begriffe wie „Schwarzer“, die selbst von den Bezeichneten nicht als Beleidigung angesehen werden, kollektiv „Rassismus!, Rassismus!“ geschrien wird und auf jeden korrekten deutschen Satz mit einem generischen Maskulin „Diskriminierung!, Diskriminierung!“, in dieser Zeit martern wir die Minister, Ministerpräsidenten und die Kanzlerin, gemeinhin alle Exekutiven mit dem Vorwurf, für uns, und damit nur für uns Deutschen, für uns in unserem Bundesland und für uns in der Umgebung unseres Impfzentrums zu wenig Impfstoff organisiert zu haben. Und dann wollen wir sie nicht mehr wählen, weil sie ja unsere Interessen in unserem Wahlkreis verraten. Das ist das Kreuz unserer Demokratie!

Für mich ist „Wir“ etwas anderes. Wir, das ist jeder einzelne Mensch auf der Welt. Wir, das ist die ganze Schöpfung. Wir, das sind Länder wie Mali und Eritrea, die Probleme mit der Kühlkette für den Impfstoff haben. Wir, dat sinn Ehrik, Palz, die Quint onn Biewer, unsere Dorfgemeinschaften. Wir, das sind Länder wie Israel, in denen die Impfung gut läuft. Wir, das sind die Menschen in China und Russland unter autoritären Regierungen. Wir, das sind die Menschen in Afghanistan und Syrien, die im Elend des Krieges kaum Hoffnung auf schnelle Impfung haben. Wir, das sind die Reichen, die die verdammte Verpflichtung haben, allen Ländern der Welt und nicht nur EU-weit Impfstoff zu verteilen und die Kühlketten zu stärken. Wir, das sind die Ärmsten der Armen in unserem Dorf und in der Welt, denen viel mehr genommen worden ist als Einkaufsmöglichkeiten und Kultur. Wir, das sind Menschen ohne Grenzen. Also, was beschweren wir uns? Es wird so viel Impfstoff produziert wie derzeit irgendwie möglich. Und jede produzierte Impfdose erreicht einen impfbedürftigen Menschen, nur vielleicht nicht in Deutschland oder in Trier. Also freimütig abgeben und demütig anstellen!

Wir brauchen eine Rückbesinnung auf die Prinzipien universaler Solidarität und Subsidiarität. Wir müssen den Nächsten lieben, den wir sehen. Wir brauchen eine neue Kraft der Unterscheidung, welches Handeln wirklich gut ist und welches schlecht.

Wer mit mir steht für ein echtes Wir, der schließe sich an, bleibe geduldig und nachsichtig, unterstütze öffentlich und privat alle, die auf unser aller Gemeinwohl hinarbeiten, für uns da sind, für unsere Impfung kämpfen. Lasst uns verbindend denken, von Ehrik bis Kordel, von Trier bis ins Saargebiet und von Deutschland in die ganze Welt.

Wir, das sind die, die wir vergessen haben.

Damian Hippolyt Gindorf, Quint

Auch in einer schwierigen Zeit wie dieser sieht man sie: Plakate mit Bildern von Menschen, die wir bald wieder wählen dürfen. Von jung und weniger lebenserfahren bis zum politischen Oldtimer. Das ist Demokratie, das ist Wahlkampf und das ist eine gute Sache.

Von unseren Leistungsträgern in der Krise findet man allerdings keine Plakate. Keine Gesichter auf Plakaten von Alten- und Krankenpflegern und Krankenpflegerinnen oder von den Beschäftigten im Einzelhandel. Sie machen jeden Tag ihren Job unter erschwerten Bedingungen, und der Laden läuft.

Im Gegensatz zu den Gesichtern auf den Plakaten, gerade jetzt in der Krise, wird das so wichtige Impfen von der Politik gnadenlos vergeigt, und das ohne Reue und ohne Entschuldigung an die krisengebeutelte Gesellschaft, stattdessen weitere Maßnahmen, deren Sinn und Zweck doch mehr als fragwürdig scheinen und nur mit verzweifelter Härte zu erklären sind.

Man sollte den Leistungsträgern, dem Pflegepersonal und den Verkäuferinnen und Verkäufern das Besorgen des Impfserums überlassen, nicht den Gesichtern auf den Wahlplakaten.

 „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.“ (Loriot)

Oliver Schuler, Bitburg-Stahl

Ich verfolge die Diskussionen über eine Schulöffnung schon seit einiger Zeit und glaube nicht, dass es an den Schulen liegt. Dort gibt es gute Hygienemaßnahmen, wobei ich denke, man könnte diese noch verbessern, indem man andere Räumlichkeiten wie zum Beispiel (nicht nur fürs Abitur) auch Turnhallen und Musik- sowie Kunsträume, Physiksäle und Mensa für einen durchdachten Schulablauf benutzen könnte.

Das größere Problem sehe ich in der Beförderung der Schüler. Warum kann man nicht Reisebusfahrer, die jetzt keinen Job haben, einsetzen, um eine gesundheitlich effektivere Beförderung der Schüler zu garantieren. Man brauchte diesen ruhenden Berufszweig nicht nur mit Ausgleichszahlungen zu unterstützen, sondern könnte ihn auch nutzen. Ich denke, Busfahrer gibt es genug, die bereit wären, diesen Dienst zu übernehmen. Die Schüler könnten mit einem besseren Hygiene-Abstand und entspannter zur Schule kommen. Das würde vielleicht uns auch darauf aufmerksam machen, dass wir grundsätzlich über den „Transport“ der Schüler nachdenken sollten, die in überfüllten Bussen zur Schule (gekarrt?) gefahren werden. Die Corona-Krise könnte uns auch über einige Dinge nachdenken lassen!

Jutta Just, Trier