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Gesundheit: Wer sich mit Nazis einlässt, macht sich selbst braun

Gesundheit : Wer sich mit Nazis einlässt, macht sich selbst braun

Zu verschiedenen Aspekten der Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Dieter Fournier, Peter J. Neu, Herbert Stöhr und Robert Seidenath:

Zum Artikel „Eine Maskenpflicht und ziemlich viele Urteile“ und zum Kommentar „Übers Ziel hinausgeschossen“ (TV vom 18. November):

Wenn ich die Meinung von Rolf Seydewitz lese, frage ich mich, wer übers Ziel hinausgeschossen hat, die Stadt Trier oder der Redakteur?

Ich halte mich zur Zeit zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten geschäftlich in Korea auf. Hier ist es überhaupt keine Frage, dass ständig und überall im öffentlichen Raum Masken getragen werden. Selbst beim Wandern wird sofort eine Maske aufgesetzt, wenn einem Menschen begegnen. Und wenn wir die Zahlen zwischen Südkorea und Deutschland vergleichen, erübrigt sich die Frage, wer die bessere Strategie hat. Hier schrillen die Alarmglocken, wenn im ganzen Land mehr als 150 bis 200 Fälle gezählt werden. Wohlgemerkt bei 52 Millionen Einwohnern. Das Masketragen ist übrigens die einzig verordnete Maßnahme. Ansonsten sind alle Geschäfte, Restaurants, Sportveranstaltungen geöffnet. Wir sollten aufhören, bei allen verordneten Dingen, die der Einzelne nicht versteht, gleich alles und das Ganze infrage zu stellen, was leider durch Kommentare wie den von Rolf Seydewitz unterstützt wird. Ich fühle mich in Südkorea jedenfalls wesentlich sicherer als in Deutschland. 

Dieter Fournier, Fell, zur Zeit in Südkorea

Corona besiegen? So geht das nicht, liebe Regierenden der Länder, der Bundesrepublik und der europäischen Staaten! Gemeinsames, abgestimmtes Handeln ist gefordert! Das Virus respektiert keine Grenzen, es überlebt durch Kontakte zwischen Menschen, und nur durch Kontakte. Wenn wir das Virus kleinhalten wollen, bis die Impfungen ausreichend Menschen schützen, müssen wir neu und mutig denken und handeln. Um die Wirtschaft nicht vollends zu ruinieren, müssen in Europa zeitgleich in allen Staaten harte Lockdowns von mindestens vier Wochen Dauer durchgesetzt werden, denen dann nach Rückgang der Infektionen mehrere Monate „normalen“ Lebens folgen, wie im Sommer 2020 in Deutschland. Steigen die Infektionszahlen wieder über einen noch gemeinsam und sehr zeitnah festzulegenden Wert, erfolgt der nächste gemeinsam abgestimmte (Intervall-)Lockdown. Auf diese Weise sollte es möglich sein, im Jahr acht bis neun „normale“, für die Wirtschaft und die Menschen erträgliche und nutzbare Monate zu generieren und dem derzeitigen wirtschaftlichen Abwärtstrend entgegenzuwirken. Ohne ein solches europaweit abgestimmtes und umgesetztes Konzept taumeln die Wirtschaft und die Bürger Europas in eine sehr, sehr düstere Zukunft. Asoziales, die Gemeinschaft gefährdendes Verhalten wie etwa in Berlin bei der heterogen zusammengesetzten Demonstration gegen das neue Infektionsschutzgesetz muss im Interesse der Bürger hart sanktioniert werden.

Peter J. Neu, Dipl. Verw.-wirt (FH), Kasel

Wer erwartet schon von Placebos Heilung? Gut, eine gewisse Wirkung mag darin liegen, dass der Glaube Eigenkräfte stärken kann. Glaube versetzt Berge. Aber eine echte Wirkung als „Medikament“ kann man ja wohl Placebos nicht zusprechen. Warum glaubt man dann an die Wirkung des Lockdowns in Bereichen, die gar kein Corona-Hotspot sind? Warum soll das Schließen von Restaurants, das Verbieten von kulturellen Veranstaltungen und das Aussetzen des Vereinssports das Corona-Problem entscheidend lösen, wenn diese Bereiche kaum Gefährdungen gebracht haben – im Gegenteil besonders gut coronagemäß gemanagt wurden?

Ich erwarte etwas ganz anderes: Um Corona einzudämmen, müssen endlich die, die meinen, sich über alle Regeln und über jegliche Vernunft hinwegsetzen zu können, kapieren, was sie mit ihrer „eigenen Sicht der Dinge“ und ihrer Rücksichtslosigkeit anrichten. Unsere Gesellschaft wird nicht durch besuchte Restaurants, Kulturveranstaltungen oder Sport gefährdet, sondern durch grenzenlose Egoisten, die nur ihre eigenen Interessen im Kopf haben und für die gesellschaftliche Mitverantwortung ein Fremdwort ist.

Herbert Stöhr, Trier

Zum Artikel „Tausende Querdenker in Leipzig“ (TV vom 9. November):

Wieder einmal ist eine „Querdenker“-Demo zum Krawall ausgeartet, diesmal in Leipzig. Unverständlicherweise hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen trotz rasant steigender Infektionszahlen und trotz zunehmender faschistischer Instrumentalisierung der „Querdenker“-Bewegung die Kundgebung genehmigt, mit Auflagen, die erwartungsgemäß missachtet wurden. Nicht nur die genehmigte Teilnehmerzahl von 16 000 wurde deutlich überschritten, die meisten missachteten auch Schutzmaskenpflicht und Mindestabstand und machten die Kundgebung so zur Corona-Party. Als die Polizei deshalb die Kundgebung für aufgelöst erklärte, widersetzten sich die meisten Teilnehmer, griffen Journalisten – die angebliche „Lügenpresse“ – und die Polizei an und versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen, worauf die Polizei schließlich nachgab und sie ziehen ließ – über den Leipziger Ring, was das OVG ausdrücklich nicht erlaubt hatte!

Die Polizeiführung redete sich damit heraus, man habe den Mob „nur unter Einsatz massiver Gewalt […] zurückhalten können“. Ja, das wäre ebenso gerechtfertigt wie angebracht gewesen. Wozu hat denn die Polizei Gewaltmittel wie Gummiknüppel, Tränengas und Wasserwerfer, wenn nicht dafür? Dem von Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten aufgehetzten Mob nachzugeben, kann ihn nur stärken. Weshalb wird so etwas erlaubt? Weil wir in einer „Corona-Diktatur“ leben? Nein, aus falscher Toleranz. Und weshalb nehmen vorgebliche Demokraten daran teil und solidarisieren sich mit rechten Hetzern? Weil sie keine Nazis sind? Nein, wer sich mit Nazis einlässt, macht sich selbst braun.

Robert Seidenath, Gusterath