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Widerstand muss sich formieren

Leserbrief : Widerstand muss sich formieren

Gesundheitsversorgung

Zur Situation des Krankenhauses Adenau (TV vom 3. Februar) schreibt Hans-Peter Meyer aus Bad Ems:

Quo vadis, St. Josef-Krankenhaus Adenau? „Profit vor Menschlichkeit“ ist die Devise bei den bundesweit rasant zunehmenden Krankenhausschließungen, so auch in Adenau. Für den Erhalt des Krankenhauses wurde bereits im  November 2019 demonstriert. Doch inzwischen hat die Bevölkerung  offenbar resigniert.Die politischen Mandatsträger und Parteien vor Ort sind in einem merkwürdigen Schweigen versunken. Da war von vertraulichen Gesprächen bei der Landesregierung in Mainz und der Betreibergesellschaft Marienhaus GmbH in Waldbreitbach die Rede.

Was ist dabei herausgekommen, was ist und war dabei so vertraulich, was darf und soll die Bevölkerung nicht wissen? Haben der Kreis Ahrweiler und Landrat Jürgen Pföhler das Krankenhaus schon abgeschrieben, wenngleich Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler im November 2020 im Internet gepostet hat: „Der (Krankenhaus-) Standort Adenau ist unverzichtbar. Der dortige Träger führt das Krankenhaus. Sofern er die Trägerschaft abgibt, muss der Landkreis die Trägerschaft übernehmen oder ein neuer Träger muss gefunden werden.“

Nur noch die örtliche Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Adenauer Land  kämpft für einen Fortbestand des Krankenhauses mit Grund- und Regelversorgung. Wo sind die 14 000 Unterschriften geblieben, die in Mainz übergeben wurden?  Bei Marienhaus in Waldbreitbach wird der Kahlschlag bis zum bitteren Ende fortgesetzt. Da werden  Fakten geschaffen, und die Landesregierung sieht tatenlos zu, ja gibt sogar noch dubiose staatliche Sicherstellungszuschläge, um den dauerhaften Fortbestand der Klinik zu gewährleisten; danach kommt die etappenweise Schließung durch die Trägergesellschaft.

Da bleibt nicht mehr viel Zeit, um dem Treiben ein Ende zu setzen. Tatsache ist, dass unser Gesundheitswesen sich mehr und mehr zu einer Gesundheitsindustrie entwickelt, bei der die Erwirtschaftung von Erlösen der zentrale Antrieb ist. Man verliert dabei den kranken Menschen nahezu völlig aus dem Blick.

Das Land  hat die Aufgabe, die bedarfsgerechte flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Krankenhäusern sicherzustellen. Diese Aufgabe ist nahezu komplett verloren gegangen. Wenn sich nicht bald ein Widerstand in der Bevölkerung organisiert, sieht es düster aus für die Zukunft im bundesdeutschen Gesundheitswesen.