Katholische Kirche: Wie ein Schaf behandelt

Katholische Kirche : Wie ein Schaf behandelt

Zum Artikel „Missbrauchsdebatte: Bischof sorgt für Sturm der Entrüstung“ (TV vom 12. November) und weiteren Beiträgen zum Thema schreibt Franz Lüttgen:

Zum Vorschlag des Trierer Bischofs, für massive Verfehlungen von Priestern „die Kirchenmitglieder als Solidargemeinschaft in die Pflicht“ zu nehmen, mit der Bemerkung, dazu gäbe es „keine Alternative“, diese historische Parallele: Vor einem halben Jahrhundert wirkte in einer kleinen norditalienischen Diözese Bischof Albino Luciani. Zwei seiner Priester hatten sich finanziell übernommen. Der Bischof rief seine Priester zusammen und sagte (so berichtet es der Autor David Yallop): „Ich meine, dass die Diözese bezahlen muss [...] Aus diesem Skandal können wir alle etwas lernen. Natürlich, dass wir eine arme Kirche sein müssen. Ich habe die Absicht, kirchlichen Wertbesitz zu verkaufen. Ich habe weiterhin die Absicht, eines unserer Gebäude zu verkaufen. Mit dem Geld werden wir jede einzelne Lira zurückbezahlen, die von diesen Priestern vertan worden ist. Ich bitte um eure Zustimmung.“ Dieser Bischof wurde später Papst Johannes Paul I. Ich selbst habe in der nächsten Verwandtschaft ein kirchliches Missbrauchsopfer über viele Jahre begleitet und kann die Notwendigkeit angemessener Zahlungen an die Opfer nur unterstützen. Warum wird in diesem Fall von „Solidargemeinschaft“ gesprochen, wo doch der normale Katholik üblicherweise wie ein Schaf behandelt wird?

Wer sich nur einigermaßen in Trier nach kirchlichen Immobilien und Geschäftsverbindungen umschaut, kann die angebliche Alternativlosigkeit, auf Kirchensteuermittel zurückzugreifen, nicht nachvollziehen. Die Opfer, die dadurch zusätzlich zur Kasse gebeten würden, könnten das nur als weiteren Missbrauch empfinden. Da die Kirchensteuerzahlung nach unserem deutschen System und dem Kirchenrecht mit der Kirchenmitgliedschaft verbunden ist, darf Bischof Ackermann sich nicht wundern, wenn viele Menschen diese seine Äußerung zum Anlass nehmen, aus der Kirche auszutreten. Es sähe anders aus, wenn die Priorität von Bischof Luciani gesehen würde: „... dass wir eine arme Kirche sein müssen.“

Franz Lüttgen, Welschbillig