Abfall : Wie im Legoland

Zum Artikel „Windelsäcke für alle – vielleicht“ (TV vom 5. Dezember) schreibt Horst Gläser:

Wieder einmal macht sich der Volksfreund zum Komplizen der ART bei der Verbreitung des Märchens, die Müllgebühren würden jetzt „kostengerechter und mengenabhängiger“. Wenn Sie sich die neue Abfallgebührenordnung nur einmal genau angeschaut hätten, anstatt die Werbeslogans der ART einfach nachzubeten, wäre Ihnen aufgefallen, das sich die Bedingungen für den Verbraucher/Bürger ausschließlich verschlechtern.

Wenn man diese kleinen Mülltönnlein, die nun überall an den Abfuhrtagen den Straßenrand bevölkern, sieht, kommt man sich vor wie im Legoland. Man hofft, dass die Kleinen noch wachsen und groß werden. Natürlich wählen bei der massiven Preiserhöhung der Müllgebühren die meisten Leute die kleinste Tonne. Die Folgen werden wir in Zukunft auf den Parkplätzen und in den öffentlichen Mülleimern an Bushaltestellen und in den Orten und dort wo wir den Müll nicht sehen wollen, in der Natur, bewundern dürfen.

Ich trenne Müll wie blöd und komme nicht mal auf sieben Leerungen pro Jahr. Ich habe einen eigenen Kompost, kaufe keine mit Kunststoff verpackten Lebensmittel und habe daher quasi keinen Restmüll. Das geht vielen so.

Belohnt werden wir durch eine weitere Zwangsabgabe für 13 Leerungen. Die Müllkosten sind bei mir jedenfalls nicht mengenabhängig – und bei meinen Nachbarn auch nicht. Aber in den letzten drei Jahren beständig teurer geworden. Und jetzt wurde die Grundmenge mit den Minitönnlein quasi halbiert. Was den Preis gegenüber einer vorherigen Leerung verdoppelt. Und das wird als Fortschritt verkauft.

Die Bepreisung des Mülls ist abhängig vom Finanzbedarf eines durch Verwaltung aufgeblähten, weltfremden Zweckverbands ART! Jedes Jahr wird irgendwas eingeführt, was dann im Jahr danach wieder eingestellt wird. Hyperaktivismus nennt man das. Das neue Konzept der ART ist so gut, dass angeblich täglich jeder Mitarbeiter im Telefondienst 300 Anrufe beantworten muss. Und das wird dann als Bürgernähe gefeiert.

Besonders muss der Bürger für eine Deponie-Politik bezahlen, von der hauptsächlich die Baubranche und die Gewerbebetriebe profitieren. Und da liegen die wahren Kosten, die uns jetzt aufgedrückt werden. Gerecht? Und jetzt kommt noch der in dem Artikel hochgelobte Windelsack. Der soll für Gerechtigkeit sorgen. Für Eltern mit Babys und für Inkontinente. So liiiieeeeb ist die ART zu ihren Kunden. Wieder ein Meilenstein der Volksverdummung. Man könnte schallend lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Horst Gläser, Sankt Thomas