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Gesundheit: Wie in einem Historienfilm

Gesundheit : Wie in einem Historienfilm

Zur Berichterstattung über die Corona-Impfkampagne schreiben Sabine Krell, Peter Suska und Horst Scheuermann:

Zur Berichterstattung über die Corona-Impfkampagne:

Am Montagabend ging ich auf die Seite impftermin.rlp.de, um dort „schnell mal“ Termine für meinen 82-jährigen Vater zu machen. Man kennt Arzttermin-Software ja mittlerweile. Gerade den Menschen, in deren Wochenplan mal hier mal da schon eine Zeit vergeben ist, erspart die Software lange Telefonate mit der Arztpraxis, ist zudem selbsterklärend und schnell. Also erwartete ich nach der Eingabe der Personalien den bekannten Kalender mit Terminen, aus denen ich mir einen auswählen/anklicken kann, danach, dass der Kalender „weiterläuft“ und mir der Zeitraum angezeigt wird, in dem der zweite Termin liegen soll. – Soweit meine Vorstellung, genährt nicht etwa von zu vielen Science-Fiction-Filmen, sondern von längst gängiger Praxis außerhalb von Verwaltungshirnen.

Und um im Bild zu bleiben: Das Bundesland Rheinland-Pfalz schickte mich in einen Historienfilm. Statt konkrete Termine anzuzeigen, erschien die Frage, ob man einen Termin am Vor- oder am Nachmittag will. Diese Info konnte man dann abschicken und erhielt – tatsächlich umgehend! – eine E-Mail: „Sobald wie möglich werden wir Ihre Anfrage bearbeiten und Ihnen einen Termin für die Impfung mitteilen…. Wenn der Termin festgelegt wurde, erhalten Sie zudem eine Terminbestätigung per Post.“ Jetzt sitzt mein Vater zuhause und hat das Hörgerät eingestellt, damit er die Hufe der Postkutsche schon von weitem hört …

(Ich will gar nicht fragen, wie viel diese Lösung mit Museumsreife, die zusätzlich Unmengen an Manpower und Papier verschlingen wird, mal wieder gekostet hat.)

Zum Leitartikel „Impfverweigerer verdienen keinen besonderen Schutz“ (TV vom 30. Dezember):

Kaum hat hierzulande die freiwillige Schutzimpfung gegen Covid-19 begonnen, ist es auch schon vorbei mit der Freiwilligkeit. Man muss schon äußerst naiv sein, um im Zuge der aktuellen Diskussion um Privilegien für Geimpfte noch an eine freie Entscheidungsmöglichkeit zur Schutzimpfung glauben zu können. Da nutzt es auch nichts, wenn beispielsweise seitens der Politik und des Ethikrates betont wird, dass es für eine solche Debatte noch viel zu früh ist. Hat schließlich nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung in absehbarer Zukunft überhaupt die Möglichkeit, einen Impftermin zu bekommen.

Hierbei werden doch schon bestimmte Zielgruppen bevorzugt! Oder sollen jetzt wirklich über 80-jährige Pflegeheimbewohner mit ihren Begleitpersonen das Publikum in unseren Theatern und Kinos, oder gar in Fitness- und Tattoostudios sein? Mal ganz abgesehen von Interkontinentalreisen?

Apropos Freiwilligkeit: Wie soll ich ab jetzt noch frei entscheiden können, ob ich geimpft werden will oder mir die Risiken doch zu hoch sind? Okay, ich habe trotz Krankenpflegeberuf wohl noch einige Wochen, wenn nicht gar Monate Zeit, bis ich einen Impftermin erhalten kann. Bislang gab es ja noch nicht mal mehr die Notwendigkeit, mich testen zu lassen, zumal ich mich an sämtliche Restriktionen durch Corona gehalten habe und mir in meinem Umfeld kein einziger aufgetretener Coronafall bekannt ist! Ich bin also weder Corona-Leugner noch Maskenverweigerer! Ich habe lediglich Respekt vor allzuschnell entwickelten Medikamenten, zumal ich mich in diesem Jahr erstmalig für eine Grippeschutzimpfung entschieden habe. Weiß ich, ob die beiden Impfungen sich „vertragen“, ob es Wechselwirkungen gibt oder sich die Wirkung gegenseitig neutralisiert?

Das sind doch rationale Fragen, die man stellen dürfen muss, ohne gleich dem Verdacht ausgesetzt zu sein, seinen soziokonformen „Beitrag zur Befreiung“ der Gesellschaft von diesem Virus nicht leisten zu wollen! Fehlt nur noch, dass die „freiwillige“ Ablehnung gar gleichgesetzt wird mit einer vermutlich braunen Gesinnung!?

Wie erkennt man überhaupt den „Geimpften“? Laut TV-Presseschau der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ daran, „wenn sich auf Plätzen und in Bahnen erste Grüppchen von unmaskierten Geimpften zeigen“! Wenn ich in den letzten Monaten durch die Fußgängerzone gegangen bin, habe ich sehr oft „Unmaskierte“ gesehen; sie aßen oder tranken oder hielten – quasi als Alibi – eine glühende Zigarette in der Hand! Wenn man also jetzt keine Maske mehr trägt, heißt das automatisch, sie oder er ist vermutlich schon geimpft und darf das und noch viel mehr?! Na dann prost Mahlzeit und alles Gute im neuen Jahr!

Kommentator Ulrich Brenner hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Unsere Grundrechte sind keine Privilegien, die vom Staat nach Lust und Laune gewährt oder verweigert werden dürfen. Daher dürfte allein die Wortwahl Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker sein.