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Militär: Wie naiv muss man sein?!

Militär : Wie naiv muss man sein?!

Zu den Artikeln „Leck in Kerosin-Pipeline verursacht Umweltschaden“ (TV vom 27./28. Februar) und „Neue Hoffnung für Spangdahlem“ (TV vom 21. Januar) schreibt Diana Schilling:

Warum bin ich nicht überrascht, dass es mal wieder zu einer Umweltkatastrophe auf der Airbase Spangdahlem gekommen ist? Es verwundert auch nicht, dass kommuniziert wird, es sei „kein Umweltschaden entstanden, der Trinkwasser, Bäche oder Flüsse gefährde“. Der Austritt von 23 000 Litern Kerosin habe nur „innerhalb des Airbase-Zauns“ zur Verseuchung geführt. Wie naiv muss man sein zu glauben, es handele sich lediglich um eine Lappalie. Dass die Pressestelle des US-Luftwaffenstützpunkts den „Unfall“ öffentlich machte, ist sicherlich nicht aus Pflichtbewusstsein oder Schuldgefühlen geschehen, sondern weil offensichtlich Mitarbeiter diese Information an den TV weitergegeben haben. 

Seit vielen Jahren kommt es immer wieder zur Verseuchung von Boden und Gewässern durch den Militärflughafen, vor allem mit krebserregendem PFT und anderen Industriechemikalien. Ich selbst wohne glücklicherweise in Longuich, ein großer Teil meiner Familie aber lebt in und um Beilingen. Der Ort liegt circa 1000 Meter Luftlinie von der Start-/Landebahn des US-Luftwaffenstützpunktes entfernt, der Trinkwasserbrunnen ist lange vom Netz und die Teiche und Weiher in der Umgebung sind wegen Verseuchung gesperrt.Bei Spaziergängen oder Wanderungen in der Umgebung begleitet mich ein beklemmendes Gefühl, wenn ich daran denke, dass die Bäche, an denen ich entlang laufe, derart verschmutzt sind, dass mittlerweile nicht einmal mehr der Hund zum Abkühlen hinein darf.

Was mich und viele Tausend Menschen in der Eifel aber mindestens so sehr belastet, ist der Terror durch den Fluglärm, vorrangig durch die F-16-Düsenjäger, die täglich stundenlang über die Dörfer kreisen, in einer Höhe, dass man vom Boden aus die Schriftzüge und Ziffern auf den Kampfjets lesen kann, und mit einem Lärmpegel, den man sich nur vorstellen kann, wenn man es selbst vor Ort erlebt. Bei geschlossenen Fenstern und Türen sind Telefonieren oder Fernsehen nur bedingt möglich. Und an Unterhaltungen im Freien ist während der Flüge nur mit Unterbrechungen zu denken. Und wenn die Jets Pause machen, zieht eine Awacs dicht über den Dörfern ihre Kreise und belästigt Mensch und Natur mit zusätzlichem Lärm und Emissionen, regelmäßig unterbrochen von den Tag und Nacht fliegenden Versorgungsflugzeugen, die vor ihrer Landung so tief fliegen, dass ich fast glaube, dem Piloten in die Augen blicken zu können. Wenn ich dann die Stimmen der Regionalpolitiker des Eifelkreises vernehme, die sich quer durch (fast) alle Parteien für einen Verbleib der F-16-Staffel in Spangdahlem einsetzen, bin ich fassungslos und wütend, es ist jedesmal ein Tritt in die Magengrube. 

Ich bin sicher, sehr viele Menschen im Umkreis wären glücklich, die Kampfjets wären fort. Aber das verzweifelte Gefühl der Ohnmacht und des Wissens, dass sich an der Situation nichts ändern wird, egal welche Katastrophen inklusive Abstürzen noch bevorstehen, lässt viele Menschen resignieren und verstummen.

Diana Schilling, Longuich