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leserbriefe
Wieder nix dazugelernt

Zur Berichterstattung über das Hickhack im Fall Maaßen schreiben Elmar Georg Konrath, Horst Schorle, Josef Bach, Ralf P. Brokate, Hans Simon, Rainer Weinand, Winfried Just und Manfred Maximini:

Das politische Trauerspiel um den nun abgelösten Präsidenten des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen muss wie ein Schlag ins Gesicht für jeden Bediensteten im öffentlichen Dienst wirken. Die Kanzlerin, der Innenminister und wohl auch die Vorsitzende der SPD haben ein absolutes Meisterstück in Arroganz, Unfähigkeit und öffentlicher Wahrnehmung abgeliefert.

Ist diesen Politikern eigentlich bewusst, wie ihr Handeln auf die Bevölkerung wirkt? Und merken die nicht, dass ihr strukturloses Gebaren immer mehr Wähler in die extremen Ecken treibt? Man hat den Eindruck, dass es hier nur noch darum geht, sich die eigenen Posten und die entsprechende Besoldung zu sichern!

Und zu guter Letzt will wohl jeder sein Ego stärken, an der Änderung des grundlegenden Problems scheint keiner mehr interessiert zu sein.

Elmar Georg Konrath, Trier

Die „anständigen Demokraten“ hatten zum Halali geblasen und wähnten nach langer Treibjagd die Beute Maaßen schon erlegt. Doch nun bäumte sich der waidwund Geschossene mit Hilfe seines Mentors Horst Seehofer auf und entwischte der heulenden und keifenden Meute aus Mainstream Medien und linken Politikern in den sicheren Hafen Bundesinnenministerium.

Was war geschehen? Der Verfassungsschützer, ein Kritiker der unbesonnenen Migrationspolitik Angela Merkels, hatte es gewagt, die Vorgänge nach der Tötung eines Deutschen mutmaßlich durch Migranten in Chemnitz nach seinem Gusto zu interpretieren.

Man könne nicht von einer Hetzjagd gegen Migranten sprechen, so sinngemäß Maaßen in einem Interview. Damit hatte der Ungeliebte sein eigenes Urteil gefällt. Die Jagd der Vierten Gewalt und ihrer politischen Kumpane war eröffnet. Man würde, wie im Falle des Altbundespräsidenten Wulff, nicht eher ruhen, bis der Mann zur Strecke gebracht wäre. Die Toleranz, die diese Eliten so gerne von anderen einfordern, gewähren sie selbst nicht. Jede andere Meinung wird bekämpft und der Andersdenkende in übelster Weise diffamiert. Die Seehofers, Söders und Menschen, die friedlich auf die Straße gehen, um ihre Bedenken und Ängste zu äußern, gelten als Steigbügelhalter der Rechtsextremen.

Man hat nichts dazugelernt. Bei den Ostermärschen der 70er Jahre haben Menschen ihre Furcht vor Krieg und Atomkraft auf die Straße getragen. Damals mischten sich randalierende Linksextremisten unter friedliche Demonstranten, die kommunistische Massenmörder hochleben ließen. Auch hier wurden friedfertige Menschen und Autonome über einen Kamm geschert. Daran sollten sich die Damen und Herren aus dem linken Lager erinnern. Vielleicht wäre dann eine gegenseitige Verständigung möglich. Ansonsten opfert ihr dieses Land wirklich den Extremisten von allen Seiten.

Horst Schorle, Ingendorf

Inzwischen kann man nur noch erahnen, was eigentlich richtig und wahr ist. Die Berichterstattung wird leider in vielen Teilen bewusst oder unbewusst manipuliert. Andererseits kann der Ex-Präsident des  Bundesverfassungsschutzamtes keine Gnade und Mitleid erwarten.

Die Akteure in dieser Politposse  haben anscheinend den Verstand verloren, anders kann und will ich dies nicht bewerten. Wir Bürger haben es langsam satt.

Wollt Ihr wirklich die Demokratie kaputtmachen? Oder geht es nur darum, die persönlichen Pfründe zu mehren? Liebe Politiker, dass  eure Glaubwürdigkeit auf dem Nullpunkt angekommen ist, das seid ihr alleine schuld! Kehrt endlich auf den Pfad der Aufrichtigkeit, Sachlichkeit und Zuverlässigkeit zurück, ansonsten wir einer schlimmen Zeit entgegengehen. Verstand einschalten und im Sinne der Bürger besonnen handeln, es wird Zeit!

Josef Bach, Birresborn

Horst Seehofer kann man ja verstehen, der hat offensichtlich nur noch eine Tagesbeschäftigung, und zwar die, sich an der Kanzlerin abzuarbeiten. Nicht zu verstehen sind allerdings die Kanzlerin, Andrea Nahles und die gesamte sonstige Führungs- beziehungsweise Ministerebene, die sich einmal mehr von Seehofer durch die Arena treiben lässt.

Man kann nur hoffen, dass die Wähler in Bayern und in Hessen den Politikern bei den anstehenden Wahlen eine entsprechende Quittung unterbreiten.

Ralf P. Brokate, Schweich

Das hat es noch nie gegeben, ein Aprilscherz im September.

April, April ..., reingelegt, es ist kein Scherz, es ist tatsächlich so geschehen, was die Dreierbande da ausgeheckt hat. Ob die von allen Geistern verlassen sind, setzt die Frage voraus, ob diese Truppe überhaupt Geist besitzt.

Diese Politiker treiben mit solchen Entscheidungen das Wahlvolk dem Rudel der Wölfe zu – unliebsamen Parteien. Was für ein Gemauschel! Da werden sogar rote Wähler rot im Gesicht, weil sie sich schwarz ärgern. Oh Herr, verzeihe ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun.

Hans Simon, Kordel

Deutschland geht kaputt – und alle gehen mit! Was sich unsere Politiker in Berlin seit Monaten leisten, ist nur noch mit „katastrophal“ zu bezeichnen! Als Sahnehäubchen setzt die Groko jetzt die Affäre um Hans-Georg Maaßen oben drauf. Als ob es in unserem Land keine anderen Probleme gäbe. Es wird wieder einmal dem dummen Wahlvolk vor Augen geführt, wie Politik funktioniert: Wenn jemand für seinen Posten nicht (mehr) geeignet ist, dann wird er weggelobt. Dass die Bürger unter zunehmender Politikverdrossenheit leiden und den Rechtspopulisten in die Arme getrieben werden, darf da eigentlich niemanden verwundern.

Seitdem die Regierung im Amt ist, was nach viel Gezanke und Hickhack um Posten, Pöstchen und Pensionsansprüche aller Parteien fast nicht mehr zu erwarten war, herrscht in Berlin keine Regierung, sondern das blanke Chaos. Angela Merkel hat augenscheinlich überhaupt nichts mehr zu sagen, denn sonst wäre Horst Seehofer erst gar nicht Minister geworden. Aber der bajuwarische Heckenschütze macht, was er will. Und um die Wahl in Bayern nicht negativ zu beeinflussen, hält unsere Bundeskanzlerin still.

Dabei sind es gerade die Vorkommnisse rund um die Affäre Maaßen, die sich für die königlich-bayerische CSU bei der Wahl auswirken werden. So dämlich sind die Wähler im Süden nun auch nicht, dass sie nicht merken, was da vor sich geht. Und die SPD arbeitet mit Nachdruck daran, bei der nächsten Wahl Probleme mit der Fünf-Prozent-Klausel zu bekommen. Wie diese Parteien sich erdreisten können, die Begriffe „christlich“ oder „sozial“ noch in ihren Parteinamen zu tragen, erschließt sich mir nicht. Mit beiden Begriffen haben die Parteien und ihre Vasallen so viel zu tun wie Donald Trump mit Realitätssinn.

Es gibt sicher genug Probleme, um die sich die Politik dringend kümmern müsste. Die rasant steigenden Mieten, der Dieselskandal, bei dem der betrogene Autokäufer auf seinem Schaden sitzen bleibt – die Politik bekommt es nicht in den Griff.

Vor Jahren wurden marode Banken mit unseren Steuergeldern gerettet, die Bosse strichen (und streichen immer noch) fette Gehälter und Boni ein, der dumme Deutsche hält still. Unsere Krankenkassen horten Milliarden unserer Beiträge, leisten sich von unserem Geld Bandenwerbung in Fußballstadien (wie viele neue Mitglieder wurden eigentlich damit geworben?) und sorgen dafür, dass die medizinische Versorgung immer weiter beschnitten wird. Hauptsache, man leistet sich einen Verwaltungs-Wasserkopf, und die Herrschaften an der Spitze werden gut bezahlt und mit Mitte 50 in den Vorruhestand geschickt, mit einer Rente, von der normale Arbeitnehmer nur träumen können. Die sind froh, wenn sie im Ruhestand nicht  einen oder zwei Minijobs brauchen, um über die Runden zu kommen.

Anfang der 90er Jahre versprach Helmut Kohl „blühende Landschaften“ in Ostdeutschland, heute hört man noch das Echo von Angela Merkels „Wir schaffen das“ – von beidem sind wir so weit entfernt wie die deutsche Nationalmannschaft vom WM-Titel.

Mir graut vor der nächsten Wahl, die „Volksparteien“ tun alles dafür, ihr Volk zu verschaukeln und nicht mehr wählbar zu sein. Und dann? Da fällt mir nur Heinrich Heine ein: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“

Rainer Weinand, Maring-Noviand

Das haben sie ja wieder sauber hingebogen. So fördert man die Politikverdrossenheit par excellence. Angeblich haben alle Parteien, die bei der letzten Wahl für ihr Verhalten abgestraft wurden, verstanden, was der Wähler ihnen damit sagen wollte. Aber wieder nix dazugelernt. Während unsereins nach so einem Fehlverhalten sehen kann, wie er zu einer neuen Arbeit kommt, wird man in der Politik sogar befördert oder weggelobt. Von dieser Mauschelei wird mir schlecht, ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte ob solcher Machenschaften. Wieder einmal zeigt sich, dass es bei uns keine Politiker mehr mit Rückgrat gibt. Von Moral und Anstand ganz zu schweigen. Dies ist keine Regierung, sondern ein Panoptikum. Die Koalition scheitern zu lassen wäre die bessere Option gewesen. Denn erfolgreich wird sie eh nicht mehr. Der nächsten Wahl sehe ich mit Freuden entgegen.

Winfried Just, Trier

Im Fall Maaßen haben sich unsere verantwortlichen Politiker immer mehr in unsägliche Machtkämpfe verstrickt. Die Bürger wenden sich angewidert ab. Die Glaubwürdigkeit ist inzwischen verloren gegangen. Egal ob bei Angela Merkel, Andrea Nahles oder Horst Seehofer, bei allen dreien fehlen in dieser Frage alte politische Tugenden wie  Tapferkeit und Glaubwürdigkeit. Aus parteipolitischer Kurzsichtigkeit schiebt man klare Entscheidungen vor sich her. Macht statt Sachverstand bestimmt das politische Handeln. Dadurch geht das Vertrauen in die Politik verloren. Unsere Gesellschaft wird weiter in die Krise getrieben. Die Orientierungslosigkeit bei der Lösung dieses Themas wird leider durch die mangelnde Glaubwürdigkeit der verantwortlichen Politiker ausgelöst. Diese Glaubwürdigkeit gilt es wiederherzustellen. Im Interesse unseres Landes fordere ich schnellstmöglich wieder mehr Verantwortungsgefühl.

Manfred Maximini, Trier