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Winfried Herberich: Ausblick auf betonverspargelte Horizonte

Leserbrief : In unseren Köpfen muss sich was ändern! Weniger ist mehr!

Energiepolitik

Zu den Artikeln „Habeck will Dampf beim Klimaschutz machen“ (TV vom 12. Januar) und „Habecks Windkraft-Pläne sorgen für Zoff mit Bayern“ (TV vom 13. Januar):

Keine Frage, die Energiewende ist zwingend notwendig, und mit Klimaschutz- und Wirtschaftsminister Robert Habeck und seinen grünen Mitstreitern ist eine gewisse Glaubwürdigkeit im Umgang mit dem Thema zu erwarten. Das Wegmoderieren durch die Vorgängerregierung ist hoffentlich Vergangenheit.

Folgt man den  Ausführungen Habecks, dann legt er den Schwerpunkt auf den ungezügelten Ausbau der Windkraft. Dabei ist es zwingend notwendig, Photovoltaik zu forcieren – auf Hausdächern, Parkplätzen, Gewerbegebieten und so weiter, insgesamt auf Flächen, die so groß sind wie ein ganzes Bundesland.

Photovoltaik ist die wohl verträglichste Möglichkeit, im großen Stil regenerative Energie zum Wohle der Menschheit zu erzeugen. Die Vorräte sind unerschöpflich, und die Belastungen durch die Anlagen halten sich in Grenzen. 

Eine glaubhafte Energiewende beinhaltet auch immer einen Anteil von Verzicht. Verzicht auf Schnelligkeit, Verzicht auf übermotorisierte Fahrzeuge, Verzicht auf Straßen. Verzicht auf so viele umweltbelastende Gewohnheiten dieser Konsumgesellschaft. Verzicht wäre eine der Säulen der zukünftigen Wirtschaftsordnung.

Wie aber sieht die Vorstellung über Zukunft in unseren Köpfen aus? Soll sich alles so weiter bewegen wie bisher? Eins zu Eins zu ersetzen, nur elektrisch oder mit Wasserstoff? Flächenversiegelung, Fernreisen, Autowahn? Alles weiter so, Hauptsache Wachstum?

In unseren Köpfen muss sich was ändern! Weniger ist mehr! Verzicht kann Freude machen, weil wir damit Verantwortung für zukünftige Generationen ausdrücken. Windkraftanlagen und Photovoltaik und andere technische Finessen werden nämlich nicht ausreichen. Wir müssen uns in allen Lebensbereichen so verändern, dass unser Tun nicht zur Zerstörung der Lebensgrundlagen führt. Man kann eben kein richtiges Leben im falschen System führen.

Zurück zu den Windkrafträdern, die Habeck auf Teufel komm raus mit den Habeckschen Notverordnungen durchdrücken will: Abstände zu Siedlungen verringern, festgeschriebene Umweltschutzvorschriften aushebeln.

Horrorvorstellungen für all jene, die eine Landschaft mit freien Horizonten schätzen. Was ist ökologisch und nachhaltig an Windkraftanlagen? Beton hundert Meter und mehr in die Höhe ragend und als tonnenschwerer Klotz im Boden verankert.

Würde sich Habeck durchsetzen, würden wir hier in unserer schönen Mittelgebirgslandschaft bald auf betonverspargelte Horizonte schauen, um den unersättlichen Energiehunger einer rein urban auf Öko-Lifestyle ausgerichteten Gesellschaft zu befriedigen.