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Wir Älteren können die Sorgen und Argumente der Jugend gut nachvollziehen

Leserbrief : Wir Älteren können die Sorgen und Argumente  der Jugend gut nachvollziehen

Zukunftssorgen Jugendlicher

Zu Artikeln „Mehr Klimaschutz oder mehr Klimakrise“ (TV vom 26. Juli) . und „Jugendliche schauen mit Sorgen in die Zukunft“ (TV vom 28./29. August):

Diese Artikel haben mich, meine Freunde und Bekannten sehr berührt. Wir können die Sorgen und Argumente gut nachvollziehen. Es ist vielleicht ein kleiner Trost: Vielen älteren Leuten geht es genau so; auch sie wissen nicht mehr, welche Partei sie wählen sollen/können, weil auch sie sich von der Politik nicht mehr gesehen und vertreten fühlen.

Letztlich geht es immer wieder um dieselben Themen, und die haben ihren Ursprung darin, dass sich unsere Politik seit Jahrzehnten zunehmend aus der Daseinsfürsorge für die Bürger zurückzieht und originäre staatliche Aufgaben (teil)privatisierte. Das begann mit der Bahn und der Post, Krankenhauswesen und Altenpflege folgten mit all den negativen Folgen, die das Profitstreben der Investoren halt mit sich bringen.

Im Krankenhausbereich zeigte sich das sehr deutlich durch Corona. In vielen anderen zum Beispiel durch den Abbau von Service jeder Art. Auch dass Ende der 1990er Jahre auf Druck der Banken Hedgefonds genehmigt wurden, die in den USA für die „kleinen Leute“ viel Schaden angerichtet hatten und uns ja dann auch bald eine Finanzkrise bescherten, fällt in diese Kategorie. Viele andere Entscheidungen erweisen sich letztlich nachteilig für die Bürger. Wogegen Prestigeobjekte kostenmäßig auch gerne mal aus dem Ruder laufen dürfen. Man könnte fatalerweise den Eindruck gewinnen, dass die Sozialreformen und -versicherungen, die von Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts für ein besseres Leben der arbeitenden Bevölkerung eingeführt wurden, nun schrittweise demontiert werden.

Am Schluss erlaube ich mir noch „eine Lanze zu brechen“ für den heute so oft herablassend als „Boomer“ bezeichneten Teil der Bevölkerung. Häufig hört man, wie problematisch es ist, dass der nun reihum in Rente geht. Nach oft 40 bis 50 Arbeitsjahren.

Von diesen Boomern haben die meisten gearbeitet – auch die Frauen – und in die Rentenkasse eingezahlt. Dass diese jetzt leer ist, liegt nicht an den Rentnern, sondern daran, dass unsere Politiker seit langem da hineingegriffen haben — mit der Folge, dass bei uns das Renteneintrittsalter herauf- und das Rentenniveau stetig herabgesetzt wurde. In diesem Zusammenhang lohnt sich sicher ein Blick auf die Altersversorgung in unseren Nachbarländern (auch zu denen, deren „Corona“-Schulden wir jetzt zahlen), die unserer Politiker und den Artikel „Altersvorsorge von Vorständen immer üppiger“ (TV vom 6. August). Aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben ...