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Gesundheit: Wir haben es in der Hand

Gesundheit : Wir haben es in der Hand

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Marcel Schanen und Josef Stadtfeld:

Ist die Regierung mit ihrer Strategie des leichten Lockdowns gescheitert? Zu spät, zu zögerlich, zu wenig Weitblick, zu viel auf Sicht, zu viele Stimmen, eine unklare Strategie und keine Perspektive, und deshalb das Scheitern.

Wenn wir was hinbekommen in diesem Land, dann lassen wir uns gerne als Vorbild feiern. Ach ja, die Deutschen, die haben das gut gemacht, sind ja eh top organisiert, föderal, vernünftig und vorsichtig, ein gutes Gesundheitssystem obendrein, eine kluge und rationale Kanzlerin sowieso.

Ein paar Zentimeter weiter beginnt aber schon der Abgrund des Versagens und mit ihm oft der Untergang. So auch in dieser Pandemie. Der erste Lockdown war erfolgreich, der zweite wahrscheinlich nicht. Wir waren Europas Musterschüler, und nun schauen wir verstohlen nach Ländern, die es besser gemacht haben. Haben unsere Politiker versagt mit ihren Wellenbrecher-Phrasen? Wenn wir über Verantwortung und Führung sprechen, ist da was dran, aber war unsere Regierung irrational, hat beschwichtigt und geleugnet, wie in manchen anderen Ländern?

Also: Wer hat versagt? Nun, wir alle waren es. Wir sollten indes weniger das Versagen beklagen, sondern uns daran erinnern, was uns in der ersten Welle erfolgreich gemacht hat, Konsens und Konsequenz, Solidarität und Entschlossenheit.

Als Angela Merkel vor zwei Monaten warnte, die Fallzahlen könnten bis Weihnachten die 20 000 erreichen, empfanden das viele als Panikmache. Als die Virologen und besonnene Politiker schnelle und härtere Maßnahmen forderten, galt das oft als übertrieben und alarmistisch.

„Shoppen bis der Arzt kommt“ hat in diesem Jahr eine ganz andere Bedeutung.

Föderalismus mag gut sein, aber in einer derartigen Pandemie kann nicht jedes Bundesland seine eigene Strategie fahren, was dazu führt, sieht man zum Beispiel in Sachsen. Nur der Bundestag als Vertretung des Volkes sollte den Weg vorgeben.

Ich möchte nicht in der Haut eines Arztes stecken, der anhand der vorgegebenen Triage entscheiden muss, wem er letztendlich das weitere Leben schenkt. Sind es die älteren Menschen, die jüngeren oder vielleicht Corona-Leugner?

Es gibt allerdings eine gute Nachricht, die Impfungen haben begonnen. Wir haben jetzt Zeit bis zum 10. Januar, vielleicht auch länger, es hinzubekommen. Es liegt in unserer Hand. Wir bezahlen dafür einen Preis, aber wir sind nicht machtlos.

Marcel Schanen, Gusterath

Der Kanzlerin die Schuld zu geben ist zu einfach, sie kann nur Rat geben und mahnen, was sie sehr früh getan hat. Aber keiner hat auf sie gehört. Die Schuldigen sind die Länderchefs, die einen Zickzackkurs gefahren sind. Ebenso schuldig sind die vielen Corona-Leugner, die auch noch mit Hilfe der Gerichte demonstrieren durften.

Der Schutz der Risikogruppen wird immer beschworen, aber wie sieht es denn wirklich in den Pflegeeinrichtungen aus? Überall unterbesetzt; Mehrarbeit durch die Krise und so weiter. Es sind ja wohl kaum die Bewohner selbst schuld daran, wenn es zu Ausbrüchen kommt. Meist kommt es von den Besuchern die sich nicht richtig verhalten, nicht richtig die Maske aufgesetzt haben, nicht richtig desinfizieren, was man immer wieder beobachten kann, im Krankenhaus dasselbe. Und für die Mehrheit, die zu Hause versorgt wird, und deren Angehörige, also deren „Pflege“, interessiert sich sowie kaum jemand. Ja, sie werden gar nicht erwähnt. Sie existieren gar nicht für unsere Politiker.

Jetzt bekommen die Pflegenden ab Januar von der Pflegesachleistung wieder die 20 Euro gestrichen, vorher waren es 60 Euro, ab Januar noch 40 Euro. Ich bin von unseren Politikern so enttäuscht und hoffe, dass viele Menschen bei der nächsten Wahl daran denken.

Josef Stadtfeld, Mülheim an der Mosel