Wirtschaft

Zur Berichterstattung über den VW-Skandal und den Rücktritt des Vorstandschefs (TV vom 24. September) diese Gedanken:

Es ist unglaublich, was sich der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn und der VW-Konzern geleistet haben. Lügen und Betrügen sind offensichtlich gang und gäbe in deutschen Großkonzernen. Winterkorn wollte die Nummer eins in der Welt der Automobilkonzerne werden. Das hat er tatsächlich geschafft. Aber um welchen Preis? Das Ansehen der deutschen Wirtschaft in der ganzen Welt wurde stark beschädigt. Die deutsche Volkswirtschaft erleidet Milliardenschäden. Der Konzern steht am Rande eines Abgrunds. Arbeitsplätze gehen verloren, viele VW-Mitarbeiter und Zulieferer müssen dafür büßen. Und von diesen Machenschaften will Herr Winterkorn nichts gewusst haben? Er, der so detailversessene "Macher", der zugleich auch oberster Chef der Entwicklungsabteilung bei VW war. Aus den Skandalen bei der Deutschen Bank, Siemens oder beim ADAC (und vielen anderen) hat man offensichtlich immer noch nicht gelernt. Preisabsprachen, Bestechungen und Kungeleien sind immer noch an der Tagesordnung. Dabei kommen diese Machenschaften früher oder später doch ans Licht. Wie naiv sind diese Herrschaften eigentlich? Offensichtlich hat die krankhafte Gier den Verstand vieler deutscher Konzernlenker aufgefressen. Millionengehälter reichen nicht mehr; überzogene Boni-Forderungen und -Zusagen lassen solche kriminellen Machenschaften zu. Dafür muss ein kurzfristiger "Erfolg" her, koste es, was es wolle. Maßhalten, wie es Ludwig Erhard in den 60er Jahren predigte, ist diesen Herren offensichtlich unbekannt. Glücklicherweise ist der deutsche Mittelstand der Motor und das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sonst müsste man Schlimmes für "Made in Germany", einst das Markenzeichen und Gütesiegel der deutschen Wirtschaft, befürchten. Bleibt zu hoffen, dass Winterkorns Abschied nicht auch noch durch Millionen-Abfindungen versüßt wird. Karl Servatius, Gerolstein Wir alle fuhren mit gutem Gewissen Auto, sogar die Besitzer der sich hierzulande mehr und mehr breitmachenden Großraumwagen, denn die Abgaswerte zeigten auf Grün, so wollten wir gerne vertrauen. Wir haben aber schon im Religionsunterricht gelernt, dass es sowohl einen lieben Gott als auch den Teufel gibt. Die "teuflische" Seite war in diesem wie in den vergangenen Sommern auch vertreten: Finanz- und Euro-Krise mit Erpressung und Finanzdiktatur, denn etwas anderes war das Agieren der Euro-Gruppe mit Griechenland nicht. Dann ist da außerdem die herausfordernde Flüchtlingskrise, die ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Nun kommen auch noch Lug und Trug dazu. Und das zu allem Unglück ausgerechnet vom Deutschland mit am meisten wirksam repräsentierenden Großautobauer. Mein Gott! So möchte man ausrufen, um ihn wieder ins Spiel zu bringen, was ist los auf diesem Planeten? Ist es wirklich nur die digitale globale Vernetzung mit ihrer Informationsflut, die als eine der Wirkungen Pessimismus, sogar Zukunftsängste erzeugt? Wie kann da Optimismus aufkommen? Den kann es gar nicht geben aufgrund der so wahrgenommenen Fakten. Wenn doch, dann ist er nicht die Folge der rigiden systemstabilisierenden Spielregeln des US-Kapitalismus, wie sie VW zurzeit erfährt. Unter anderem ist er das Produkt einer einlullenden und ablenkenden Unterhaltungsmaschinerie sowie einer Wahrnehmung steuernden medialen Publikation und nicht zuletzt des Wohlstand suggerierenden Massenkonsums. Hierbei werden all die (lies: ALDI) Reichen noch reicher, und die Armen haben auch ihr billiges Vergnügen. Wer genau hinsieht, der entdeckt zwei Hauptverursacher für die ökologischen, ökonomischen und moralischen Krisen und Katastrophen: Machthunger und Geldgier oder auch Technologie und Kapitalismus. Ich meine damit eine die Umwelt belastende, wenn nicht zerstörende Technik und ein rein technisch-effizientes Denken. Hinzu kommt, eng damit verbunden, ein Wirtschaftssystem, das rücksichtslos Menschen zur Selbstausbeutung treibt und vor allem die "teuflischen" Seiten des Menschen fördert: Gier, Betrug und Lüge, Neid, Bequemlichkeit, Gewaltbereitschaft, dem lobenswerten Solidaritäts- und Hilfebekunden angesichts des Flüchtlingselends und der ethisch-moralischen Bemühungen in Schulen zum Trotz. Da kann ich dem mit einem Kleinauto zum US-Präsidenten vorfahrenden Papst Franziskus in seiner Kapitalismuskritik nur beipflichten. Wäre er jünger, ginge er vermutlich sogar zu Fuß nach Washington. Vorbildlich! Es weht vor allem in den ökonomischen Entscheidungszentren die kalte Luft des zwischenmenschlichen Winters, den sollte man durchaus mal näher aufs Korn nehmen. In Abwandlung eines Honecker-Satzes zum Sozialismus: Den Techno-Kapitalismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf. Die ganz sicher nicht. Also: Weiter so? Michael Wilmes, Ralingen-Wintersdorf