Wirtschaft

Zum Artikel "Das Nein-Lager gegen den Freihandel formiert sich" und zum Kommentar "Fairer verhandeln" (TV vom 14. Juni):

Sie beschreiben auf über einer halben Seite den stark gewachsenen Widerstand gegen Ceta und TTIP, vor allem aber, warum er uns allen schade. In aller Kürze zwei Dinge dazu: 1) Sie werden Ihrem journalistischen Auftrag zur objektiven Information nicht gerecht, wenn Sie als einzigen Kritikpunkt der Abkommensgegner erwähnen, dass die wirtschaftlichen Chancen der ärmeren Länder beeinträchtigt würden. Das bekräftigen Sie übrigens mit dem zitierten Gegenargument des FDP-Politikers Michael Theurer: Wenn "die ärmsten Länder der Welt bereits heute […] für viele Produkte einen privilegierten und zollfreien Zugang zur EU" haben, was bitte können sie dann mit einem Freihandelsabkommen gewinnen? Die (nicht nur in meinen Augen) entscheidenden Totschlagargumente, nicht gegen Freihandelsabkommen generell, aber gegen die laufenden Verhandlungen, müssen in solch einem Artikel genannt werden: das absolut undurchsichtige, sogar gegen Parlamentarier streng abgeschirmte Verfahren, und die meines Wissens noch nicht geschlachtete Option, bei Konflikten private Schiedsgerichtsverfahren an die Stelle der gerichtlichen Kontrolle demokratisch erlassener Gesetze zu setzen. 2) Unter dem Titel des Kommentars "Fairer Verhandeln" könnte ich mir einen ganz anderen Inhalt viel besser vorstellen: Lasst uns, die Weltbevölkerung, erst über ein Rahmenabkommen entscheiden, das fairen Handel für alle vorschreibt und damit die universellen Menschenrechte auch auf den Bereich der Wirtschaft überträgt. Dabei geht es nicht um sozialistische "Trojaner", es geht nur um den Anspruch, den alle Staaten der Uno erheben und also auch mittragen müssen. Im Rahmen eines solchen Weltfairhandelsabkommens kann man sich dann alle Freihandelsabkommen auf der Welt mit wesentlich weniger Argwohn und mehr Vorfreude auf ihren wirtschaftlichen Nutzen vorstellen. Aber selbst dann sollten sie nicht völlig geheim verhandelt werden. Wem soll das nutzen? Rudi Uhl, Trier