Wirtschaft

Zum Artikel "Freihandelspakt mit Kanada bringt Kritiker auf den Plan" und zum geplanten TTIP-Abkommen (TV vom 26. September):

Die meisten Reportagen zum Thema TTIP erschöpfen sich in einer Auflistung der Gebiete, in denen die USA andere Gesetze als die EU hat. Wenn Verhandlungen zwischen der US-Regierung und der EU-Kommission bedeuten, was das Wort sagt, dann müsste es schließlich zu einer Annäherung der Standpunkte kommen. Und in der ganzen Aufregung über das mittlerweile berühmte Chlorhühnchen und den Investorschutz darf man nicht vergessen, dass europäische Hühner oft Salmonellen haben und die Bundesrepublik Hunderte von Investorschutzverträgen mit anderen Staaten verhandelt hat, um unsere Exporteure in Ländern mit weniger Rechtsstaat zu schützen. In den Verhandlungen dürften unsere europäische Vertreter eine Statistik der Weltbank vor Augen haben: Europa hat knapp sieben Prozent der Weltbevölkerung (Tendenz abnehmend, siehe Deutschland); Europa produziert 25 Prozent des Welt-BIP; Europäer nehmen 50 Prozent der Welt-Sozialleistungen in Anspruch. Wir sehen, wie die Wirtschaft im Euro-Raum seit sieben Jahren vor sich hindümpelt ohne Aussicht auf Besserung. Die Amerikaner haben weitgehend ihre Probleme aus der Krise gelöst, wachsen kräftig und sind nach wie vor ein Land, wo Dynamik und Innovation stark sind. Warum hat Europa kein Google oder Amazon? Die gegenseitige Herabsetzung von Zöllen und anderen Handelshemmnissen hat seit dem Zweiten Weltkrieg nicht nur im EU-Binnenmarkt zu erheblich mehr Wohlstand geführt. Ein Anschluss an Amerika und Kanada mit deren Vorteilen, zu den richtigen Bedingungen, könnte vielversprechend sein und sollte nicht abgetan werden ohne einen genauen Blick in eine Zukunft, in der China und die USA wirtschaftlich dominieren und wir alle Mühe haben werden, unser Sozialmodell aufrechtzuhalten. Peter Oldfield, Mertesdorf