WISSENSCHAFT

Zum Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaft (TV vom 14. Okt.):

Der Franzose Jean Tirole, Nobelpreisträger im Fach Wirtschaft, ist seit vielen Jahren Professor an der bekannten Toulouse School of Economics. Persönlich kenne ich Jean Tirole seit etwa zehn Jahren. Bei einer Tagung in Berlin hielt er einen Vortrag. Hinterher hatte ich Fragen und wir kamen ins Gespräch. Er fragte mich, an welcher Universität ich unterrichte. Als ich Trier sagte, war er sehr erfreut. Er kenne Trier sehr gut, weil er in den 1970er-Jahren in Trier seinen Militärdienst geleistet habe. Ich erzählte ihm, dass das ehemalige Militärgelände auf dem Petersberg heute als Campus 2 zur Universität Trier gehört. An seine Trier-Zeit hatte er viele Erinnerungen, zum Beispiel an die Kapelle im alten Militärhospital. Im Zentrum seiner Forschungsinteressen stehen Begriffe wie Anreizbedingungen, Interessenkonflikte, Eigentumsrechte, Marktregulierungen, politische Machtmonopole. Als Analyse-Instrument verwendet er die oft ignorierte Spieltheorie. Genau das waren und sind bis heute meine Interessengebiete. Ich habe daher Jean Tiroles Publikationen immer sehr genau studiert. Leider habe ich nie alles exakt verstanden. Ich erinnere mich aber sehr genau an ein Seminar im Jahr 2006; es war mein letztes Semester an der Universität Trier. Zusammen mit dem Kollegen Marcel Tyrell nahmen wir uns das damals ganz neue Lehrbuch "Theory of corporate finance" von Jean Tirole als Seminar-Grundlage vor. Wir verteilten die Buchkapitel auf die Seminarteilnehmer und gingen so Schritt für Schritt durch den ganzen Text. Damals hebe ich sehr viel gelernt; von diesen Lehrstunden zehre ich noch heute. Obwohl Jean Tirole zwölf Jahre jünger ist als ich, zähle ich mich dennoch zu seinen Schülern. Prof. Dr. Hellmuth Milde, Trier