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Gesellschaft: Witze ohne Pointe

Gesellschaft : Witze ohne Pointe

Zum Leserbrief „Sexistische Klischees, gestrige Strukturen“ (TV vom 30. Dezember) und zum Artikel „Wie viel Gefühl die Maske schluckt“ über ein Experiment mit Schauspielerinnen und Schauspielern vom Theater Trier (TV vom 11. Dezember) schreibt Uli Bohner:

Der Leserbrief der vier Unterzeichnerinnen beklagt mit skandalisierenden Interpretationen und Unterstellungen, der Artikel von Volksfreund-Mitarbeiter Rainer Nolden sei sexistisch und frauenfeindlich.

Die hauptsächlich angeprangerte Bildunterschrift lautete: „So lacht wohl eine Frau über den Witz eines Mannes, den sie attraktiv findet – egal ob die Pointe sitzt oder nicht“.

Beim Lesen des Leserbriefs habe ich mich gefragt, ob die Reaktion der Vier wohl genauso heftig ausgefallen wäre, hätte die inkriminierte Bildunterschrift nicht Rainer Nolden sondern eine Regina Nolden verfasst.

Durch die zitierte Bildunterschrift fühlen sich die vier Frauen generalisiert (wie fühlt sich generalisiert an?) und alleine auf die Wahrnehmung durch einen Mann reduziert. „... EINE Frau“ wird von ihnen durch Großbuchstaben hervorgehoben.

Dabei war doch offensichtlich die eine abgebildete Frau mit Maske und nicht alle möglichen Frauen gemeint. Wenn da gestanden hätte „so lacht wohl NUR eine Frau ...“. Die Reaktion mag ich mir gar nicht ausdenken!

Im Übrigen: Wie oft mögen wohl im umgekehrten Fall Männer tatsächlich über Witze ohne Pointe von Frauen gelacht haben, die sie attraktiv fanden.

Weiter wird böswillig interpretiert, die Wahrnehmung durch den Mann fände nicht aufgrund eigener Leistung der Frau statt, sondern nur, um den Mann zu bestätigen.

Ich interpretiere gutwillig: Die Frau auf dem Foto ist dem Mann freundschaftlich verbunden und toleriert auch seine pointenlosen Witze.

Die im Leserbrief vorgeschlagene Umformulierung „Da lacht jemand über einen guten Witz“ finde ich platt und unzutreffend. Mein Empfinden beim Betrachten des Bildes war tatsächlich, dass die Frau eben nicht herzhaft, sondern eher verkniffen über einen Witz lacht.

Mit ähnlichen Umformulierungen hätten wir dann manchmal zwar eine vermeintlich sexismusfreie, aber auch glattgebügelte und die Wirklichkeit vernebelnde Sprache.

Eine echte Pointe zum Schluss: Die Literaturkritikerin und Autorin Elke Heidenreich traut sich, die Genderhysterie aufs Korn zu nehmen. Ihren Podcast hat sie lange Zeit unbemerkt so eingeleitet: „Liebe Zuhörer und Zuhörerinnen an den Radiogeräten und -gerätinnen“.

Uli Bohner, Trier