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leserbriefe
Wo bleibt der Aufschrei?!

Zur Berichterstattung über Tierversuche in der Kosmetik- und Pharmaindustrie schreibt Manfred Schmitz:

Was ist ein Mensch wert, der nichts als seine Schönheit besitzt? Kann das junge, attraktive Nacktmodel auf der Titelseite des Hochglanzmagazins Playboy objektiv mit der Schönheit und Ästhetik eines Rehs oder einer Gazelle konkurrieren? Nein, die Biorasse Mensch ist eher den hässlicheren Tieren zuzurechnen. Letzte Zweifel daran verschwinden, wenn man auf die entgleiste Mimik eines gelifteten Gesichts, monströse, pralle Silikon-Brüste oder mit Botox aufgespritzte Mega-Lippen schaut: Man ist schockiert, dann kommt Spott (manchmal auch Ekel) oder Mitleid auf.

Was treibt Frauen (und Männer) zu ihrer lächerlichen, nimmersatten Schönheits- und Lebensgier? Ein Synonym dieser Gier ist das unüberschaubare Angebot der Kosmetik- und Pharmaindustrie an meist unnötigen Produkten, die lange Gänge mit riesigen Regalen füllen. Ebenso monströs ist das Angebot an überflüssigen Nahrungs-Ergänzungsmitteln und Arzneien, die langes Leben bei bester Gesundheit suggerieren. Wie gaga muss man sein, den abstrusesten, lächerlichsten Werbeversprechen zu glauben und Milliarden dafür auszugeben? Viele dieser Produkte werden qualvoll an Tieren erprobt. Wo ist das Gewissen derer, die solche Perversionen ausführen, derer, die sie legalisieren und derer, die sie durch ihr Konsumverhalten provozieren? Man möchte ausrasten vor Wut und Verachtung bei dem Gedanken, dass schönheitssüchtige Ladys sich Kosmetika auf alle Körperteile schmieren, sich in Schönheits- und Wellnesstempeln mit Produkten verwöhnen lassen, für deren Entwicklung Tiere in Labors leiden und sterben müssen.

„Testtieren“ werden zum Beispiel hoch konzentrierte Substanzen in die Augen geträufelt, um die richtige Dosis für den Menschen herauszufinden; meist sterben sie vor Schmerz und Stress schon während der Versuche. Wo bleiben die Massen, die für ein Verbot von Tierversuchen auf die Straße gehen müssten, wo bleibt der Aufschrei der gesellschaftlichen Elite, der Boykottaufruf von den Predigtpulten, an denen das Evangelium vorgelesen wird, und wo ist die drohende Faust der Sozialverbände und Gewerkschafter? Dass ich nicht lache, es geht doch um Arbeitsplätze in Pharma- und Kosmetikindustrie! Man möchte sich große, mächtige Kaninchen wünschen, die Menschen in Labors und Käfigen halten, um ihnen die Augen zu verätzen, ihr Blut zu vergiften, sie zu Tode zu testen.

Wir haben (objektiv grundlos) die Würde des Menschen für unantastbar erklärt, aber unseren gleichberechtigten Mitwesen haben wir sie verweigert. Nichts ist so eindeutig widerlegt wie die angeblich elitäre Erschaffung des Menschen. Würde er sich sonst für die Krone der Schöpfung halten und diese nach Belieben missbrauchen?

Manfred Schmitz, Flußbach