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Politik: Zeit für eine neue Friedensbewegung

Politik : Zeit für eine neue Friedensbewegung

Zur Berichterstattung über die Aufkündigung des Abrüstungsvertrags durch die USA und Russland (TV vom 4. und 5. Februar) schreibt Robert Seidenath:

Nach der Kündigung des INF-Vertrages durch Donald Trump und Wladimir Putin steht die Welt wieder an dem Punkt, an dem sie vor 1987 stand: vor einem höchst gefährlichen nuklearen Wettrüsten, damals zwischen den Supermächten USA und UdSSR, heute zwischen der bereits bröckelnden Supermacht USA und Russland, das gerne wieder eine Supermacht werden würde. Das besonders Gefährliche an den im INF-Vertrag verbotenen Mittelstreckenraketen (550 bis 5500 Kilometer Reichweite) ist ihre sehr geringe Vorwarnzeit, die kaum eine Abwehr ermöglicht und sie daher für Überraschungsangriffe besonders geeignet macht.

Ronald Reagan sprach damals offen von einem „thermonuklearen Krieg in Europa“ und von einem „Armageddon“ gegen die Sowjetunion (für ihn das „Reich des Bösen“). Seine Cruise Missiles und Pershing 2 hätten von der Grenze zur DDR bis weit in die Sowjetunion hinein alles in eine nukleare Wüste verwandeln können, die sowjetischen SS 20 ganz Europa westlich der Grenze zur Bundesrepublik; die USA hätten sie nicht erreichen können, und einen sowjetischen Gegenschlag mit Langstreckenraketen wollte Reagan mit seinem größenwahnsinnigen weltraumgestützten SDI-Programm abwehren – ob das wirklich funktioniert hätte, weiß allerdings niemand. Die Lage war damals also äußerst gefährlich. So etwas darf sich, zudem in einer ohnehin instabileren Welt – in der auch der klerikalfaschistische Iran nuklearwaffentaugliche Mittelstreckenraketen hat –, auf keinen Fall wiederholen. Damals haben auch massive öffentliche Proteste dazu beigetragen, dass die Mittelstreckenraketen der USA und der Sowjetunion 1987 abgeschafft wurden. Sollte das heute etwa nicht mehr möglich sein?

Robert Seidenath, Gusterath