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Gesundheit: Zerredet und zerfleddert

Gesundheit : Zerredet und zerfleddert

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreibt Manfred Schmitz:

Wie sind sie doch im Frühsommer über Prof. Karl Lauterbach hergefallen, die Populisten. Wichtigtuer und Besserwisser, die unablässig schwadronierende Journaille, und das gehässig quasselnde Kabarett! Lauterbach sagte genau das voraus, was uns jetzt „auf die Füße gefallen“ ist: den Kontrollverlust über das Virus mit 500 einsam gestorbenen Corona-Toten am Tag!

Hätte man auf ihn und andere klare Köpfe wie Angela Merkel und Markus Söder gehört, als sie vor einer Lockerung warnten, hätten wir das Virus jetzt unter Kontrolle. Klare Köpfe werden in diesem Land diskreditiert und verhöhnt, Disziplin und Regeln sind bei einer breiten Schicht, die auf nichts verzichten kann, verhasst, und lässt man sie nicht feiern, hopsen und abtanzen, „dreht sie durch.“ Merkel regiere nach Gutsherrenart und über Corona-Maßnahmen habe allein das Parlament zu entscheiden, schreien sie landauf, landab, die „Hyperdemokraten.“ Die Regierenden haben sich sehr bemüht, aber war es nicht schon schlimm genug, die Egoismen und faulen Kompromisse der Ministerpräsidenten von 16 Zwergstaaten zu ertragen? Hätte man das Parlament entscheiden lassen, wäre es vermutlich über die eigenen Füße gestolpert und hätte womöglich noch faulere Kompromisse produziert. Viele unserer gewählten Volksvertreter missbrauchen Parlament und Corona zur eigenen und parteipolitischen Profilierung und zum Stimmenfang. Eine ausgesprochen destruktive Rolle spielt dabei die AfD.

Wo Autorität, Intelligenz und Bildung sind, sagt man mit wenig Worten viel und setzt sich durch, wo sie fehlen, wird viel gequasselt und wenig erreicht: Im Land der Gründlichkeit, der Talkshows und der Haarspalter neigt man seit jeher – im Guten wie im Bösen – zur Übertreibung. Jeder redet mit und rein, und kaum liegt eine Idee zur Corona-Strategie auf dem Tisch, fällt ein Schwarm von „Prinzipienreitern“ darüber her, um sie zu zerreden und zu zerfleddern. Gerade das sei Demokratie, sagen ganz verzückt die, die nicht von dieser Welt sind; ich nenne sie gaga! 

Wo schon der „einfache Mann auf der Straße“ weiß, dass man bei Gefahr im Verzug nicht lange quasselt, sondern entschlossen handelt, verbeugt sich unsere politische Führung in alle demokratischen Richtungen. Auch Taiwan und Südkorea sind Demokratien, doch sie handelten nach dem Prinzip „besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen“, ließen sich nicht auf exzessive Datenschutzorgien ein und behielten sich – mit durchschlagendem Erfolg – unverzichtbare Handlungsfreiheit in der digitalen Nachverfolgung vor, wogegen die deutsche Hyperdemokratie mit täglich 500 einsamen Corona-Toten in den Abgrund blickt.

Ich habe vor Konsum- und Feiersüchtigen, die nichts mehr aus- und durchhalten, keine Achtung und vor denen keinen Respekt, die ihnen mit Rücksicht auf ihre Wählerstimme „aufs Maul schauen“.

Und nicht nur mir gehen überkandidelte Demokraten, eine hyperaktive Journaille und ein ständig quasselndes, gehässiges Kabarett unerträglich auf die Nerven.

Manfred Schmitz, Flußbach