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Zu Hause oder stationär - das ist ein großer Unterschied

Zu Hause oder stationär - das ist ein großer Unterschied

Zum Artikel "Drückende Geschwüre" (TV vom 5. Juni):

Den Artikel und den dazugehörigen Kommentar von Joachim Winkler kann ich so nicht unwidersprochen hinnehmen. Als Angehörige pflegebedürftiger Familienmitglieder und als examinierte Pflegefachkraft mit Erfahrung sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich stelle ich mir immer wieder die Frage: Wer kontrolliert den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK)?Von diesen Mitarbeitern ist man es gewohnt, dass sie innerhalb einer Zeitspanne von etwa 20 Minuten den Gesundheitszustand und die Pflegebedürftigkeit von Menschen im häuslichen und/oder stationären Bereich festlegen, obwohl sie diesen Personen noch nie begegnet sind und deren Krankengeschichte nur aus ihren Akten kennen. Die "Untersuchung" erfolgt nicht zu den pflegerelevanten Zeiten, sondern wenn die Grundpflege bereits ausgeführt, die Medikamente eingenommen und die Mahlzeit beendet ist, also wenn der Betroffene relativ fit ist. Die Zeit, die die einzelnen Tätigkeiten in Anspruch nehmen, wird vom MDK und dem Zeitfenster der Pflegekassen festgelegt. Was die Angehörigen, der Hausarzt und andere Betreuungspersonen an Defiziten und Problemen bei der Pflege und Betreuung vorbringen, wird zumindest abgeschwächt und unterschwellig immer der Eindruck vermittelt, dass es um wirtschaftliche Gründe bei der Einstufung geht. Aktivierende Pflege wird nicht entsprechend honoriert. Benötigt ein Pflegebedürftiger aufgrund seiner Erkrankung eine Magensonde, so wird dieser sofort in die nächst untere Pflegestufe zurückgestuft, da die Zeit des Essenanreichens wegfällt. Dabei ist es gerade für diesen Personenkreis besonders wichtig, weiterhin Ansprache und Motivation zu erfahren, und das kostet Zeit. Ich habe festgestellt, dass es einen Unterschied macht, ob man stationär oder zu Hause gepflegt wird und ob man in einer privaten oder einer gesetzlichen Krankenversicherung /Pflegeversicherung Mitglied ist, um eingestuft zu werden. Auch hier gibt es Unterschiede. Wobei je nach Kasse und Versichertenanzahl auch die meisten Ablehnungen bei der Ersteinstufung in die Pflegegruppen festzustellen sind. Zufall? Oder soll damit die Daseinsberechtigung und damit Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes dokumentiert werden? Sigrid Steffens, Bausendorf PFLEGE