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Zu „Stadt reagiert auf Kritik am Saubraten“ schreibt Christine Nicolay:

Säubrennerkirmes : Wittlich als Leuchtturm für Tierwohl

Säubrennerkirmes

Zum Artikel „Stadt reagiert auf Kritik am Saubraten“ vom 17. August schreibt Christine Nicolay:

Ich war sehr lange Zeit Wittlicherin und habe mich dort „sauwohl“ gefühlt. Ich mag die Wittlicher Kirmes und habe schon oft in Vereinen und Gruppen an der Wittlicher Kirmes teilgenommen und werde das auch weiterhin tun. Ich bin auch aktive Tier-/Umweltschützerin und weiß, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen nicht artgerechter Massentierhaltung und der Umweltkrise gibt. Allerspätestens nach den aktuellen Umweltkatastrophen muss sich jeder verantwortungsbewusste Mensch dieser Tatsache stellen und entsprechend handeln.

Jedes Lebewesen hat ein Recht auf Würde und Unversehrtheit und ich finde, die jetzige Wittlicher Säubrenner-Tradition, mit der öffentlichen Verhöhnung von Lebewesen, ist unwürdig und nicht mehr zeitgemäß. Wir haben die Verantwortung mit unserer Umwelt gut umzugehen und unseren Kindern bewusst zu zeigen, dass wir mit der Schöpfung und allen Lebewesen respektvoll umgehen müssen.

Ein Verzicht auf übermäßigen Fleischkonsum aus Massentierhaltung ist keine individuelle Lebenseinstellung, sondern hat größte Bedeutung, um unsere Umwelt mit all ihren Lebewesen zu schützen. Da kann es kein „weiter so“ geben.  Der Schweinebraten wird aus der Stallhaltung der Stufe 1 geliefert. Das ist billig, aber für die Tiere eine Qual und für die Umwelt eine Belastung. Für viele Bauern ist es ebenfalls unerträglich und unrentabel, aber die Marktwirtschaft und der konsumorientierte Verbraucher nötigt sie dazu. Wenn schon Fleisch gegessen werden muss, dann aus artgerechter Tierhaltung mit kurzen Tiertransporten und schonender Schlachtung. Ja, dann würde der Saubraten eben angemessen teurer werden. Sehr geehrter Herr Rodenkirch, ich bin auch Ihrer Meinung: „Jede/er soll nach seiner Façon leben, solange nicht andere in Mitleidenschaft gezogen werden“. Deswegen besteht nun Handlungsbedarf.  Ich weiß, es ist ja nur ein liebgewonnenes Brauchtum und es gibt „ wichtigere Probleme“, doch Traditionen können sich ändern und man kann auch von ihnen Abstand nehmen (siehe Abschaffung von Stierkampf). Mit der Evolution des Säubrenner-Brauchtums hätte Wittlich die Chance ein innovatives Zeichen in Richtung Tierwohl/Tierwürde und Umweltschutz zu setzen.