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Verkehr: Zu teuer, zu kompliziert, zu unpünktlich

Verkehr : Zu teuer, zu kompliziert, zu unpünktlich

Zu verschiedenen Beiträgen über das Bus- und Bahnfahren in der Region schreiben Marcel Schanen, Klaus Lay und Josef Bach:

Busfahren ist zu teuer! Schön, dass der Trierer Oberbürgermeister selbst erfahren hat, dass in Berlin die Ticketpreise für die Busse wesentlich günstiger sind als innerhalb des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT). Aus eigener Erfahrung durch viele Reisen in Deutschland, ob im Norden, Süden, Westen oder Osten weiß ich: Nirgends sind die Tickets für Busse so teuer wie bei uns. Um mehr Fahrgäste zu erreichen, genügt es nicht, die Taktung zu verbessern, nein, die Fahrpreise müssen günstiger werden und nicht jedes Jahr erhöht werden.

Mein Beispiel: Von und nach Gusterath fahren die Busse tagsüber im 30-Minuten-Takt durch den Ort, nur in den Stoßzeiten gut besetzt, sonst größtenteils leer. Angebracht wäre hier, dass jeder zweite Bus als Schnellverbindung direkt nach Gusterath und Pluwig fährt und somit nicht 40 Minuten bis Trier unterwegs ist. Was die Leute auch abhält, Bus zu fahren, ist der Preis. Wenn ich von Gusterath nach Trier und zurück fahre, bezahle ich acht Euro. Ein vergünstigtes Rückfahrticket wird nicht angeboten. Da  überlegt sich so mancher, doch sein Auto zu nutzen, auch wegen der kürzeren Fahrzeit.

Der Nahverkehr ist eine freiwillige Aufgabe der Kommunen, nicht gesetzlich verpflichtend, daher ist das Land gefordert, die Kommunen finanziell so auszustatten, dass die Ticketpreise nicht ins Uferlose laufen und der Bürger dann vielleicht doch den öffentlichen Nahverkehr annimmt. Eine vorgesehene Taktung von 15 Minuten macht auf dem Land keinen Sinn. Es werden mehr Busse und Busfahrer gebraucht, was die Kosten und somit die Ticketpreise nochmals ansteigen ließe.

Das Land hat so viele, auch sinnlose Projekte finanziert, da sollte es  im Sinne der Umwelt verstärkt den öffentlichen Nahverkehr unterstützen.

Marcel Schanen, Gusterath

Beinahe täglich wird in den Medien von überlasteten Straßen und Umweltbelastungen durch den Individualverkehr berichtet. Als Lösung wird immer wieder der öffentliche Nahverkehr oder die Bahn genannt. Aber ist das im ländlichen Raum tatsächlich eine Lösung?

Ein Beispiel aus meinem Heimatort Reil lässt daran zweifeln, obwohl wir durch den Bahnhof und eine Bushaltestelle der Moselbahn verhältnismäßig gut angebunden sind.

Die Arbeitsstelle meines Sohnes ist in Wengerohr, circa zwei Kilometer vom Bahnhof entfernt. Er möchte auf das Auto verzichten und den Weg zur Arbeit mit Bahn und Fahrrad zurücklegen. Für die Preisgestaltung wird der Tarif des VRT herangezogen. Die einfache Fahrt kostet circa sechs Euro. Vor neun Uhr morgens werden für die Fahrradmitnahme noch mal vier Euro fällig. Man vergleiche, für knapp 20 Euro kann man mit dem Sparpreis der Bahn bis nach Hamburg fahren. Für die Rückfahrt werden noch mal über sechs Euro fällig, das Fahrrad ist dann frei. Also mehr als 16 Euro täglich für eine Strecke, die mit dem Auto gerade mal 40 Kilometer beträgt (Hin- und Rückfahrt).

Natürlich lässt sich durch Wochen- oder Monatskarten der Fahrpreis noch etwas reduzieren, aber schon die Fahrradmitnahme ist davon ausgeschlossen. Also wird der Weg zur Arbeit in der Kombination Fahrrad und Schiene in unserer Gegend schon durch die Tarifgestaltung erschwert oder verhindert. Bei den Nachteilen dieser Lösung habe ich sogar die zahlreichen Verspätungen und Unregelmäßigkeiten noch nicht dazugerechnet. Vielleicht nimmt sich ja im Vorfeld der Kommunalwahl ein an der Umwelt interessierter Politiker dieser Problematik an. Es darf in der Thematik Radfahren und ÖPNV nicht nur an den Tourismus gedacht werden, auch für die Pendler der Region ist das relevant.

Klaus Lay, Reil

In den letzten Wochen wird über die Bahn viel geredet und geschrieben. Jetzt hat Bundesverkehrsminister  Andreas Scheuer einen sicherlich guten Vorschlag gemacht, um das Angebot der Bahn noch attraktiver zu gestalten und den Menschen einen Anreiz zu geben, ihr Fahrzeug stehen zu lassen. Dies alles nützt jedoch sehr wenig, wenn nicht die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit erheblich gesteigert werden.

Nur ein kleines Beispiel: Ich habe kürzlich an einem Mittwochmittag meinen Enkelsohn nach Gerolstein gebracht, er wollte um 12.56 Uhr mit dem Zug nach Düsseldorf fahren. Der Zug lief in Gerolstein überpünktlich ein, bekam dann jedoch über 15 Minuten Verspätung, weil ein Mitarbeiter nicht pünktlich war. Ebenso lief der Motor während der ganzen Wartezeit und verschmutzte unnötigerweise die Umwelt. Der Enkelsohn hatte in Köln große Probleme, den Anschlusszug zu erreichen. Im  Kleinen fängt es an, und dadurch werden Image und Verlässlichkeit der Bahn unnötigerweise infrage gestellt.

Ich möchte mich keineswegs in die Belange der Bahn einmischen, sondern alle Beteiligten auffordern: Der Preis ist die eine Sache, die Pünktlichkeit jedoch ein wichtiger Faktor, der meist ohne zusätzliche Geldmittel gewährleistet werden kann.

Meine Feststellung: In allen Bereichen unserer Gesellschaft hapert es an Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Korrektheit. Wo sind die deutschen Ureigenschaften geblieben, die nach dem Zweiten Weltkrieg das Wirtschaftswunder vollbracht haben? Wir sollten uns alle darauf besinnen, dann geht vieles einfacher, leichter und vor allem ohne Ärger!

Wenn der Verkehr mit der Bahn angehoben und mehr werden soll, dann muss der Preis, aber auch die Kundenfreundlichkeit und Zuverlässigkeit stimmen, sonst werden alle Bemühungen keinen Erfolg haben.

Josef Bach, Birresborn