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Leserbriefe
Zu viel Jubel, zu wenig Kritik

Zur Berichterstattung des Volksfreunds über Malu Dreyer schreiben Karl-Heinz Schuh und Hanns-Georg Salm:

Fast täglich beglückt uns der TV in der letzten Zeit mit Berichten und Interviews zur Person Marie-Luise Dreyer, die fast schon an Verklärung grenzen. Bei näherer Betrachtung erscheint mir diese Hochjubelei eher peinlich und mehr der Personalnot in der SPD geschuldet. Bis heute ungeklärt ist die Rolle, die sie im Zusammenhang mit den Pannen und Fehl­entscheidungen von Kurt Beck gespielt hat, immerhin saß sie zu dieser Zeit mit am Kabinettstisch. Schön, dass Redakteur Bernd Wientjes auch ihn in diesem Zusammenhang wieder aus der Mottenkiste ausgegraben hat.

Entgegen dem Bild der großen Gestalterin in diesem Land, das uns die Darstellungen im TV vermitteln wollen, ist sie mir meistens dadurch aufgefallen, dass sie montags nachgeplappert hat, was die Parteispitze sonntags erklärt hat. Auch ihr Verhalten nach der Wahl zeugt nicht gerade von verlässlicher und konsequenter Haltung. Zunächst getreu den Vorgaben von Martin Schulz, für die SPD komme nur die Opposition infrage, spricht sie sich danach für eine Minderheitsregierung aus, um letztendlich für eine große Koalition zu werben. Völlig unverständlich sind mir nun ihre Klagen über zu wenig Erreichtes in den Sondierungsverhandlungen, nachdem sie selbst daran beteiligt war.

Karl-Heinz Schuh, Oberbillig

Zum fünften Jahr der Ministerpräsidentschaft von Malu Dreyer sind auf der Woge der allgemeinen Begeisterung und dem Zeitgeist gehorchend keine Zweifel angebracht. Bei über 97 Prozent  SPD-Zustimmung bundesweit hat das Wählervolk zu schweigen. Es gehört also ausschließlich Dummheit oder gehörig viel Dreistigkeit dazu, einige kritische Fragen zu stellen:

Frau Dreyer, wie war das seinerzeit mit dem plötzlichen Wechsel an der Spitze der ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, früher Bezirksregierung) Trier?

Frau Dreyer, wo sind die Rücklagen geblieben, die von den Landesbeamten für ihre Altersruhebezüge (Pensionen) angespart worden waren?

Frau Dreyer, wie viele Lehrkräfte an unterschiedlichen Schulformen  arbeiten auf der Basis von Zehn-Monats-Verträgen und müssen in den Sommerferien kellnern (nichts gegen Kellner!), um sich über Wasser zu halten?

Frau Dreyer, warum schwiegen Sie beharrlich zum jahrelangen, sinnlosen Tauziehen im Zusammenhang mit den Fusionen der Verbandsgemeinden Hillesheim, Obere Kyll, Gerolstein und Prüm?

Frau Dreyer, was taten Sie in den vergangenen fünf Jahren, um die Autobahnlücke zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu schließen (A 1)?

Frau Dreyer, warum gibt es im Land immer noch keine Inkompatibilitätsregelung, um Ämterhäufung zu unterbinden und endlich eine saubere Trennung von Amt und Mandat herbeizuführen?

Frau Dreyer, wissen Sie überhaupt, dass das kommunale Ehrenamt an der permanenten Überforderung (mit Papier zugemüllt!) zu scheitern droht, auch weil die wichtigen Dinge ständig über die Köpfe der Gemeinderäte hinweg höhererseits entschieden werden?

Frau Dreyer, erklären Sie doch bitte einem Nicht-SPD-Wähler, warum ein Mann in Ihrem Land oberster Chef aller Medien ohne ordnungsgemäßes Ausschreibungsverfahren werden konnte?

Frau Dreyer, wie war das mit dem verkündeten Windpark Schneifel? Warum haben nach vielen Jahren der Entscheidungslosigkeit und des Zauderns nun allein Rotmilane und Schwarzstörche das Sagen?

Frau Dreyer, während unsere Dörfer sterben, wird auch in Ihrem Land seit Jahren einseitig dem Städtebau absolute Priorität eingeräumt. Werden Sie wirklich blind durch Rheinland-Pfalz gefahren?

Frau Dreyer, wer hier einreist und falsche Angaben macht oder gar keine, hat unsere Gastfreundschaft, unsere Förderung und vor allem unseren Schutz verspielt. Was verleitet Sie und Ihre Minister dazu, diesen Missbrauch konsequent zu decken?

Frau Dreyer, wer kommt für die zusätzlichen Kosten auf, die durch Falschangaben der Eingereisten entstanden sind und weiterhin entstehen werden und wer, bitte, trägt die politische Verantwortung?

Frau Dreyer, glauben Sie denn wirklich, Ihr Anteil am zunächst missglückten Verkauf des Flughafens Hahn und Ihre Rolle beim Verscherbeln des Nürburgrings seien schon vergessen?

Nur der frühe Wahltermin hat Sie seinerzeit vor der Realität bewahrt!

Hanns-Georg Salm, Gondenbrett/Eifel