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Zum Artikel „Stopp für Biker auf Traumschleifen“schreibt Stefan Bickler

Meinung : Die Verlogenheit der Politik

Freizeit

Zum Artikel „Stopp für Biker auf Traumschleifen“ (TV vom 3. August) schreibt TV-Leser Stefan Bickler:

Leider wird am Beispiel des Nationalparks die Verlogenheit der Politik deutlich. Gavin Pfeiffer macht es deutlich: „Als es mit dem NP angefangen hat hieß es, es gäbe keine Einschränkungen für Biker... Und jetzt werden so leise, still und heimlich Verbote eingeführt.“

Die neuen Regeln werden vom Nationalparkamt mit den Bestimmungen des Landeswaldgesetzes begründet. Es wird behauptet, dass es entsprechende Verbote schon immer gegeben hat. Ein Blick ins Gesetz erleichtert es. Im für den Erbeskopf, Traumschleife Gipflerauschen, einschlägigen Paragrafen 22 (3) heißt es: „Radfahren und Reiten sind im Wald nur auf Straßen und Waldwegen erlaubt; darüber hinausgehende Reit- und Befahrensmöglichkeiten können die Waldbesitzenden gestatten, soweit dadurch nicht die Wirkungen des Waldes und sonstige Rechtsgüter beeinträchtigt werden. Die untere Forstbehörde kann auf Antrag der Waldbesitzenden Straßen und Waldwege sperren, wenn besondere Schäden einzutreten drohen oder bereits eingetreten sind. Nicht erlaubt ist das Reiten im Wald auf Straßen und Waldwegen mit besonderer Zweckbestimmung.“

Auf den ersten Blick hat das Nationalparkamt recht. In besagtem Paragrafen gibt es jedoch eine Ausnahmeregelung. Nach Aussagen des Nationalparkamtes wurde das Befahren der Pfade durch Mountainbiker geduldet. Die Duldung durch den Waldbesitzer ist über Jahrzehnte erfolgt, lange bevor es das Nationalparkamt gab. Wie Gavin Pfeiffer richtig schreibt, sind viele der Pfade vor vielen Jahren erst durch Mountainbiker entstanden. Gesperrt wurden diese Wege nie. Ein regelmäßiges Befahren der Pfade mit dem Fahrrad sorgte dafür, dass die Pfade „frei“ gehalten werden und für Wanderer attraktiv bleiben. Von einer „Beeinträchtigung“ kann keine Rede sein.

Verboten ist und war lediglich das Reiten im Wald auf Straßen und Waldwegen mit besonderer Zweckbestimmung, jedoch nicht das Radfahren. Die untere Forstbehörde darf Straßen und Waldwege sperren. Das hat sie nun getan. Es wurden also rechtmäßig neue Verbote eingeführt. Das ist vollkommen zulässig, allerdings ein Bruch des von der Politik gegebenen Versprechens: „Es wird im Rahmen des Nationalparkes keine Einschränkungen für Biker geben.“ Das größte Ärgernis ist wohl die Verlogenheit der Politik. Ehrlich müsste es aus den Reihen der Politik beziehungsweise des Nationalpark­amts heißen: „Was interessiert uns unser Geschwätz von gestern? Die neuen Verbote sind gesetzlich zulässig und damit in Ordnung.“ Damit kann und muss jeder Mountainbiker leben. Als Wanderer, Mountainbiker und Naturfreund appelliere ich an die Vernunft aller Beteiligten. Ein rücksichtsvoller Umgang miteinander sowie ein verantwortungsbewusster Umgang aller Waldbesucher mit der Natur dürfte die beste Lösung sein.