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Zum „Geschichte in Stein geschrieben und aufgearbeitet“ schrieb Franz-Josef Schmit

Geschichte : Noch nicht ganz aufgearbeitet

Geschichte

Zum Beitrag „Geschichte in Stein geschrieben und aufgearbeitet“ TV vom 27. Juli) schrieb uns Franz-Josef Schmit aus Wittlich:

In oben genanntem Beitrag gibt es Ungenauigkeiten (zum Beispiel zum Ablauf des Pogroms in Osann).  Zum „Fall Bermann“, dessen Ermordung im Text etwas nebulös als „dunkles Ereignis“ bezeichnet wird, ist in der Hauptquelle des Texts, der Ortschronik, zu lesen: „Über die Tat zu seinem Nachteil ist bisher dank der noch gesperrten Gerichtsakten nur wenig zu erfahren…“ Das sind schon groteske Formulierungen!

Die Erschlagung des 81-jährigen Juden Bermann am 3. Mai 1939 ist bislang der einzige nachgewiesene Fall eines derartigen Gewaltverbrechens nach dem Pogrom für das Gebiet der späteren Bundesrepublik. Sogar die NS-Justiz musste ermitteln und verurteilte 1940 vier der fünf Angeklagten zu Haftstrafen zwischen einem und zwei Jahren. Das Verfahren musste an die Trierer Justiz abgegeben werden, wo der linientreue Oberstaatsanwalt Dr. Hoffmann für die überaus milden Urteile und die Freilassung der Verurteilten nach wenigen Tagen sorgte.

Die NSDAP-Ortsgruppe Osann hatte direkt nach dem Urteil nach Trier geschrieben und einen Gnadenerweis gefordert mit der Begründung: „Die Tat ist nicht etwa auf eine verbrecherische Neigung, sondern auf Übereifer im Dienste der nationalsozialistischen Bewegung und eine Verkettung besonderer Umstände zurückzuführen.“ Erst nach Kriegsende wurden die vier Täter von den Militärverwaltungen inhaftiert und saßen ihre Strafen vollständig ab. Ein Wiederaufnahmeverfahren vom September 1948 mit dem Ziel, ein angemessenes Strafmaß zu finden, scheiterte im Mai 1951. Als ein Stück bundesrepublikanischer „Vergangenheitsbewältigung“ besitzt der „Fall Bermann“ weiterhin ein überregionales Interesse.

Wirklich „aufgearbeitet“ ist die NS-Geschichte von Osann-Monzel erst dann, wenn der „Fall Bermann“, aber auch der Osanner Pogrom-Prozess (1948) umfassend beschrieben ist. Einige Pogromaktivisten wie der Winzer Nikolaus Veit (geboren 1909), wegen Mittäterschaft im „Fall Bermann“ 1940 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt (nicht verwandt mit Karl Veit, Monzel), erreichten aufgrund einer Amnestie Straferlasse. Nach Auffassung der Nachkriegsjustiz habe er „nicht aus ehrloser Gesinnung gehandelt“; er und die anderen Täter müssten vor allem „als Opfer politischer Verhetzung und als willfährige Werkzeuge der nationalsozialistischen Machthaber“ betrachtet werden. Bürger Osanns befürworteten im Juni 1950 für einen weiteren Pogromtäter, den Winzer Nikolaus Haubst (geboren1909), den Straferlass, „damit endlich wieder Ruhe in der Dorfgemeinschaft hergestellt wird.“