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Zum Wolf von Hasborn schreibt Hans-Peter Felten aus Daun

Ihre Meinung : Der Wolf kann nicht anders, der Mensch schon

Fauna

Zu den TV-Artikeln über den Wolf von Hasborn (wir berichteten mehrfach) schrieb uns Hans-Peter Felten aus Daun:

TV-Mitarbeiter Christian Moeris erwartet nach den Wolfsrissen bei Hasborn eine „angeregte“ Diskussion, nicht etwa eine „sachliche“. Damit hat er wohl Recht. Leider liefert er in seinem Kommentar selbst einen Beitrag zu einer möglicherweise unsachlichen Diskussion. Wölfe in Deutschland, so häufig eine der vielen unzutreffenden Behauptungen von Wolfsgegnern, seien gar nicht das Ergebnis einer natürlichen Rückkehr. Sie seien vielmehr das Ergebnis einer vom Menschen vorgenommenen Wiederansiedelung. Erwiesenermaßen ist es das nicht!

Aber genau der irreführende Begriff „Wiederansiedelung“ wird im Kommentar gleich dreimal im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfs verwendet. Ohne Klarheit bei den Begriffen ist eine sachliche Diskussion aber nicht möglich.

Zum TV-Bericht selbst noch folgende Anmerkung. Es ist sehr verständlich, dass ein gerissenes Nutztier bei dessen Halter, aber auch bei anderen Menschen große Emotionen hervorruft. Man sollte allerdings klar sehen, dass Tiere in landwirtschaftlichen Betrieben nicht zum Hobby gehalten werden.

Der Landwirt lebt von den Tieren – das heißt, sie werden geschlachtet und vermarktet. Selbst in vielen Betrieben, die sich als Archehöfe bezeichnen, ist das nicht anders.

Dies war auch nicht anders, als in den inzwischen verschwundenen bäuerlichen Kleinbetrieben häufig jede Kuh einen Namen hatte, ja manchmal sogar mit einer Scheibe Brot zur Weide verabschiedet wurde. Ähnlich emotionale Bindungen zu den Tieren kann man heute bisweilen wieder in manchen Biobetrieben beobachten.

Jeder Tierhalter, dem seine Tiere wirklich am Herzen liegen, sollte sie wirkungsvoll vor dem Wolf schützen. Das Land Rheinland-Pfalz hat dazu finanzielle und materielle Mittel bereitgestellt.

Aber auch diese Tiere finden ungeachtet aller emotionalen Bindungen vorzeitig ihren Tod im Schlachthof oder beim Schlachter. So tragen sie unserer Ernährung bei.

Nichts anderes passiert beim Tod eines Tieres durch den Wolf. Dabei ist er sogar, anders als wir Menschen, ausschließlich auf Fleisch angewiesen. Wer nun kein Verständnis dafür aufbringen will, dass der Wolf seine Nahrung nur auf die ihm von der Natur mitgegebene Weise töten kann, der sollte sich vergegenwärtigen, wie die Schlachtung der Nutztiere oftmals in Schlachthöfen erfolgt. Vom vorausgegangenen zum Teil qualvollen Dahinvegetieren der Tiere in der üblichen industriellen Massentierhaltung ganz zu schweigen. Wir Menschen könnten anders, der Wolf nicht.