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Gesundheit
Sorry, derzeit nicht lieferbar

 Hätten doch mehr Menschen einen Organspende-Ausweis! Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, will die „doppelte Widerspruchslösung“ einführen. Klingt kompliziert, ist es auch. Leser diskutieren.
Hätten doch mehr Menschen einen Organspende-Ausweis! Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, will die „doppelte Widerspruchslösung“ einführen. Klingt kompliziert, ist es auch. Leser diskutieren. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Zur Berichterstattung über die Diskussion um die Organspende schreibt Michael Rost, Chirurg i.R., Sirzenich:

Überschrift eines Artikels am 2. April: 9400 Menschen warten auf ein Spenderorgan. Wie, wenn es geheißen hätte … auf Sozialwohnungen? Es ist eine traurige Tatsache, dass bei vielen Erkrankungen mit einem Spenderorgan geholfen werden könnte. Doch der Mangel an Spenderorganen liegt nicht (nur) an zu wenigen Organspendern respektive Inhabern von Spenderausweisen, sondern erst einmal an nicht genügend gesunden Toten!

Sozialwohnungen ließen sich durch Änderung der Wohnungsbaupolitik, Bauvorschriften und Geld relativ problemlos schaffen. Doch selbst wenn jeder Bürger einen Spenderausweis hätte, sich zur Organspende bereiterklärte oder verpflichtet wäre – so muss er doch erst einmal sterben! Und das möglichst gesund (klassisch der hirntote junge Motorradfahrer), um einem Wartenden mit einem Spenderorgan zu helfen. Demgegenüber wären die Bestrebungen, die Zahl der Verkehrstoten mit noch mehr Gesetzen und Vorschriften senken zu wollen, regelrecht kontraproduktiv.

Selbst wenn jeder Sterbende bereit wäre zu spenden, haben wir im heutigen Krankenhausbetrieb genügend Ärzte, zu prüfen, ob dieser medizinisch geeignet wäre? Lassen sich ausreichend Kapazitäten zur Organentnahme schaffen? Das ist nicht so einfach wie eine Blinddarm­operation, und auch nicht jedes Krankenhaus hat dafür die technischen Voraussetzungen.
Dass Transplantationen anfangs Pionierleistungen waren, dass auch Ärzte damit „Missbrauch“ begingen im Bestreben, Erster zu sein, neue Wege zu begehen, wird heute vergessen oder verdrängt, als man Organtransplantationen als Routine-Eingriffe versteht (die sie aber so nicht sind; immer noch drohen Abstoßungsreaktionen oder Zugrundegehen des Organs) und manchmal der Eindruck entsteht, als hätte ein Kranker einen Rechtsanspruch auf eine Organtransplantation. Ersatzorgan wie aus dem Ersatzteilkatalog – sorry, derzeit nicht lieferbar.
Bei all der gegenwärtigen, teils sehr emotionalen Diskussion darf nie vergessen werden, dass es eine medizinische Errungenschaft ohne Erfolgsgarantie ist, und noch wesentlicher, dass dafür zuerst einmal ein möglichst gesunder Mensch tödlich verletzt sein muss!

Zum Beitrag „Vorstoß: Alle Volljährigen bis auf Widerruf Organspender“ (volksfreund.de vom 1. April):

Endlich ein Vorschlag von Jens Spahn, dem ich zu 100 Prozent zustimme! Die Bequemlichkeit der Menschen, die Organe spenden möchten, sich nur einfach keinen Organspendeausweis zulegen, kostet tagtäglich Menschenleben! Wer nicht spenden möchte, widerspricht. Eine Regelung, die niemanden zur Organspende zwingt, aber viele  Schicksale positiv verändern könnte.