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Leserbriefe
Zur Schnecke gemacht

Zu den Gastbeiträgen von Gregor Gysi und Michael Jäckel über die immer wieder aufflammende Diskussion, die Universität Trier nach Karl Marx zu benennen (TV vom 6. April), schreibt Werner Näger, zur Diskussion über Karl-Marx-Statue Hildegard Jenewein:

Eigentlich ist zu Karl Marx und Trier im Vorfeld des Jubiläums alles gesagt. Deshalb nur eine kleine Anmerkung am Rande. Vor genau 50 Jahren, also im Jahr 1968, war der 150. Geburtstag von Karl Marx. 1968 gab es noch nicht wieder eine Universität in Trier. Allerdings gab es schon das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, das sich damit schmückte, Marx als Schüler in seinen Reihen gehabt zu haben.

In meiner damaligen Funktion als Schüler und leitender Redakteur der Schülerzeitung „Hermes“ habe ich im Einvernehmen mit der Schülerschaft gefordert, das Gymnasium in „Karl-Marx-Gymnasium“ umzubenennen.

Ich wurde, was natürlich zu erwarten war, zum Direktor bestellt. Der eine oder andere Ehemalige wird sich sicherlich noch erinnern, Typ Direktor Feuerzangenbowle. Ich wurde von ihm zur Schnecke gemacht.

Ein Argument gegen die Umbenennung ist mir noch in Erinnerung geblieben: Man könne doch keinen Wein mit einem Etikett „Karl-Marx-Gymnasium“ verkaufen. Das hat mich natürlich überzeugt.

In den 50 Jahren seit damals hat sich nichts verändert. Trier ist und bleibt Trier,wie das ja auch schon der Schalk Franz Weißebach genüsslich mit seiner Forderung nach einem Krematorium in Trier vorgeführt hat.

Inzwischen sind seit der Geburt von Karl Marx erst 200 Jahre verstrichen. Der christliche Religionsstifter wurde erst nach mehr als 300 Jahren (genau 313) vom Römischen Reich anerkannt.

Man kann für Trier und Karl Marx noch hoffen.

Werner Nägler, Konz

Vorher überlegen macht Sinn! Karl Marx – ob man ihn mag oder nicht, versteht oder nicht, er ist eine historische Figur und auch ein Stück der Trierer Stadtgeschichte. So sollte man ihn sehen und bewerten.

Geschenke kann man schlecht zurückweisen, oder? Doch, hätte man können. Es gab eine Anfrage der Chinesen, bevor Wu Weishan, der Künstler, mit seiner Arbeit an der Statue begonnen hat. Die Schenkung wurde im Stadtrat vorgetragen, es wurde sogar mit dem Künstler über die Verkleinerung der Statue verhandelt und letztendlich genehmigt. Es war also bekannt, dass die Statue errichtet wird, und auch, welche (Aus)Maße das Kunstwerk haben wird.

Warum also die Aufregung? Ich habe in der Schule gelernt, wie hoch 4,40 Meter sind. Ich kann heute also den Sockel hinzurechnen und mir ungefähr vorstellen, wie bombastisch dieser Karl Marx im Stadtbild steht. Mein erster Gedanke war auch, wow … riesig!

Ich habe außerdem in der Schule  gelernt, wofür Karl Marx steht. Es kann also niemanden überrascht haben, auch nicht die plötzlich aufgetauchten Kritiker verschiedenster Gruppierungen.

Ich hätte mir eine kleinere Figur gewünscht, die hätte Platz an Ort und Stelle beziehungsweise  Karl-Marx-Straße/Ecke Stresemannstraße gefunden. Dort hätte sie auch Sinn gemacht, und die chinesischen Gäste hätten sie als Gesamtensemble bestaunen können.

Zu spät!

Nun ist das Kind beziehungsweise der Marx in den Brunnen gefallen, jetzt müssen wir, wie unsere Stadtväter vor 200 Jahren auch, mit ihm klarkommen. Kriegen wir hin, oder?! Außerdem sei angemerkt: die Konstantin-Ausstellung, ein voller Erfolg! Die Nero-Ausstellung ebenfalls! Und an deren Händen klebte sehr viel Blut, Nero hat sogar seine eigene Mutter umgebracht. Ich habe keine Aufregung gehört, es lag geschichtlich betrachtet schon sehr viel weiter zurück. Sind die Taten dadurch nicht mehr so tragisch? So gesehen hätte man beide Ausstellungen boykottieren müssen. Also bitte auch den Karl Marx mit dem nötigen historischen Abstand bewerten!

Hildegard Jenewein, Igel