1. Meinung

Theater: Die Damen sind prima, das Problem ist die Regie!

Theater : Die Damen sind prima, das Problem ist die Regie!

Zu unserem Artikel über die Zauberflöten-Premiere am Trierer Theater „Die Fiktion vom Guten, Schönen, Wahren“ (TV vom 22. Mai) meint Dr. Jürgen Förster:

Manchmal dachte ich beim Lesen der Besprechung der Zauberflöten-Premiere, der von mir sonst geschätzte Volksfreund-Kritiker Martin Möller habe in einem anderen Saal gesessen – zumal, wenn er das Damen-Terzett als großen Schwachpunkt ausgemacht haben will.

Auf meinem Platz kamen jedenfalls drei glockenklare, komplett intonationssichere und hervorragend harmonierende Stimmen an: In dieser brillanten Form würden Evelyn Czesla, Sotiria Giannoudi und Silvia Lefringhausen auch in jedem großen Opernhaus eine gute Figur abgeben!

Nein, gesanglich gab es wenig Grund zur Klage bei dieser Zauberflöte, ebensowenig wie zum wandlungsfähigen Einheits-Bühnenbild, das spannende Perspektiven ermöglicht und viele Umbauten erspart.

Der optisch so ertragreiche halbdurchlässige Spiegel in zentraler Position wirft jedoch ein akustisches Problem auf, mit dem die (Personen-)Regie nicht umzugehen wusste: Solisten, die das Pech hatten, von einer Position hinter diesem Spiegel singen zu müssen, waren im Zuschauerraum stets nur sehr gedämpft zu vernehmen – so leider auch der sonst großartige Tamino James Elliott gleich zu Beginn der Oper.

Nur der sängerisch hervorragende Chor war auch noch aus dem Off halbwegs zu verstehen – aber warum durfte er nicht öfter auf die Bühne?

Überhaupt, die Regie: Ich war gespannt, wie Altmeister Heinz Lukas-Kindermann mit dem altbekannten Zauberflöten-Stoff umgehen würde, der doch so viele Interpretationsansätze für einen Regisseur bietet: Wie würden die Machtpositionen zwischen Menschen und ihre Entwicklung interpretiert, würde das spannende Freimaurer-Thema vielleicht zum schürfenden Blick auf unsere Gesellschaft genutzt? Peinliche Antwort: So gut wie gar nicht!

Trotz klitzekleiner Ansätze einer interpretatorischen Umsetzung (beispielsweise bei der ‚angeschobenen‘ Abstimmung im Kreise der Priester/Freimaurer im zweiten Akt des Stücks) fehlte stets der rote Faden – dessen das Gedanken-Sammelsurium des Zauberflöten-Textes aber dringend bedarf!

Mit vielen bunten Bildern, hier einem Gag und dort etwas Klamauk sowie vielen unmotivierten Details (Warum gerade diese Kostüme beim Chor? Warum das ungleiche Handschuh-Paar bei Monostatos?) erschafft man heute noch keine gute Operninszenierung – das ist eher der Stil des letzten Jahrhunderts.

Der Volksfreund-Kritiker Martin Möller schreibt wohlwollend, die Inszenierung distanziere sich von eindeutigen Zuordnungen: Ich würde es klarer mit Beliebigkeit beschreiben. Umso erstaunlicher, dass dem Premierenpublikum im Trierer Theater offenbar der musikalische Glanz reichte und es sich trotz dieser eindimensionalen Regie völlig zufriedengab.

Dr. Jürgen Förster, Trier