1. Meinung

Missbrauch: Es wurde vertuscht!

Missbrauch : Es wurde vertuscht!

Zum Leserbrief „Zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Trier“ (TV vom 17. Oktober) schreibt Tina Wessely, Kenn:

Dem Autor muss an mehreren Stellen widersprochen werden. Er verkennt die perfide Natur des sexuellen Missbrauchs, der sich – im Gegensatz zu einer öffentlichen Ohrfeige – im Verborgenen abspielt und das Kind mit dem Unsagbaren alleine lässt. Der Täter schleicht sich förmlich in das Opfer ein und übt enormen Zwang zur Geheimhaltung aus. Bald sind es dann Schuld- und Schamgefühle des Opfers, die ein Sich-Anvertrauen verhindern und den Täter vor Entdeckung schützen. Das Opfer wird emotional und kognitiv nachhaltig verwirrt, seine psychische Entwicklung bedroht oder erheblich geschädigt.

Wie Bischof Ackermann in seinem Bistum mit Opfern, Taten und Tätern umgeht, muss von der hiesigen Presse kritisch begleitet werden, denn das gehört zu ihren journalistischen Aufgaben. Fehlverhalten mit dem Fehlverhalten anderer (Odenwaldschule, etc.) zu relativieren, ist eine weitere Nebelkerze jenes Leserbriefes. Über die Schule, die seit fünf Jahren geschlossen ist,  wurde umfänglich und immer wieder berichtet.

Die Gründe für den  beklagten Ansehensverlust der Kirche liegen in den Missbrauchstaten  und nicht in der Berichterstattung darüber. Ursache und Folge sollten auseinandergehalten werden.

Dass vertuscht wurde, räumt auch ein Vertreter des Bistums ein (Generalvikar von Plettenberg, 2018, auf YouTube abrufbar).

Es bleibt zu hoffen, dass es weiterhin Menschen mit Gestaltungswillen und langem Atem gibt, um im Sinne der Prävention wichtige Veränderungen in der Kirche anzustoßen.