1. Meinung

Religion: Fundierte Kritik ist kein Rassismus

Religion : Fundierte Kritik ist kein Rassismus

Zum Interview mit Aiman Mazyek (TV vom 22. Mai) schreibt Monika Wächter:

Zunächst möchte ich Herrn Mazyek das Kompliment machen, dass er rhetorisch sehr geschickt und auch glaubhaft argumentiert, dass die große Mehrheit der Muslime in der westlichen Welt – und auch bei uns – freundlich und friedlich gestimmt ist. Das kann man im persönlichen Umgang immer wieder erleben, und auch ich habe es vielfältig erfahren dürfen.

Es gibt aber Punkte, denen ich widersprechen möchte: Theologie ist keine Wissenschaft, allenfalls historische Untersuchungen und Kenntnisse über Tausende von Religionen, die von Menschen selbst erdacht wurden. Insofern darf es auch keinen Lehrstuhl für Islamreligion geben. Dafür sind die Moscheen selbst zuständig. Das wäre auch für die christliche Religion erforderlich. Sonst könnte jede dieser religiösen Institutionen als Wissenschaft gelten, was für jeden echten Wissenschaftler ein Unding ist. Alle Religionen sind Interessengemeinschaften mit z. T. sehr fragwürdigen Regeln und Gesetzen. Analog dazu sehe ich auch den Religionsunterricht, der nicht in die Schulen gehört, sondern allenfalls bei den Interessenverbänden der Religionen freiwillig angeboten werden sollte. Die Schulen sollten ausschließlich Ethik auf der Basis wirklich den Menschen zuträglicher, neuzeitlicher und gesicherter Erkenntnisse lehren.

Herr Mazyek spricht anerkennend von der Trennung zwischen Staat und Kirche in Deutschland, was aber nicht im Geringsten stimmt, denn unser Staat ist noch immer extrem mit den christlichen Institutionen verflochten, auch und in großem Ausmaß finanziell. An anderer Stelle fordert Herr Mazyek, der Staat müsse den Islam unterstützen. Hier widerspricht er sich selbst, denn echte Trennung von Staat und Kirche bedeutet eben keine staatliche Förderung jeglicher Religion!  Die Islamverbände sind in Deutschland sowieso schon so stark, dass sie keiner weiteren Förderung bedürfen.

Religionen, die sich gesicherten wissenschaftlichen, aufgeklärten und ethischen Erkenntnissen verweigern, sind per se fragwürdig und – wenn überhaupt – nur zu dulden und zu respektieren, dürfen und sollen aber kritisiert werden an den Stellen, wo es evident menschenunwürdig ist. Wer sich jeder mit logischen Argumenten basierten Kritik verweigert, ist und bleibt rückständig. Fundierte Kritik an antiquierten Regeln ist kein Rassismus.

Monika Wächter, Wittlich