1. Meinung

Mangelnder Aufklärungswillen ist rechtlich legitim

Katholische Kirche : Mangelnder Aufklärungswillen ist rechtlich legitim

Zum Leserbrief „Das Trierer Bistum hat komplett versagt“ (TV vom 31. Oktober) meint Adolf Krohn, z.Zt. Waxweiler:

Mangelnder Aufklärungswillen durch die katholische Kirche ist rechtlich legitim. Soweit der Leserbriefschreiber sich zur systematischen Vertuschung des geschehenen Kindesmissbrauchs durch Kirchen  aus seinem eigenen Erleben ausführlich äußert und dies in seiner Überschrift als komplettes Versagen des Bistums darstellt, ist dies – von der rechtlichen Seite betrachtet – so nicht zutreffend.  Tatsächlich war die katholische Kirche, wenn man einmal den Papstrücktritt, wohl  wegen der Vorgänge bei den Regensburger Sängerknaben unter seinem Bruder Georg, nicht weiter beachtet, extrem erfolgreich. 

Dass eine Organisation, die furchtbare Straftäter in ihren Reihen hat oder hatte, in Übereinstimmung mit dem geltenden Recht sich darum bemüht, geschehene Straftaten verjähren zu lassen, damit diese nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden können, ist rechtlich legal.  Richtig ist also, dass die katholische Kirche, aber auch andere Institutionen, unabhängig von den Handlungen einzelner Personen oder ganzer Bistümer, sehr erfolgreich dabei waren, dass schwere Straftaten mit lebenslangen Folgen für die Opfer verjährt sind oder Beweise in den Archiven versteckt oder geschreddert wurden. 

Der CDU-Bewerber um das Ministerpräsidentenamt im Rheinland-Pfalz, Herr Baldauf, hat den Kindesmissbrauch als „Mord an Kinderseelen“  bezeichnet. Auch wenn er das mit den schweren Straftaten in Mönchengladbach und dem Münsterland verbunden hat, kann man dies sicherlich auch auf die wesentlich bedeutenderen Straftaten im Bereich der Kirchen übertragen. Bei einem vieltausendfachen „Mord an Kinderseelen“ könnten die politisch Verantwortlichen in Deutschland das von Herrn Boos ausführlich beschriebene Erfolgsmodell der katholischen Kirche bei der Vertuschung der Straftaten beenden, indem die Verjährung rückwirkend aufgehoben wird. Juristen, die jetzt auf die Idee kommen, dass so etwas nicht gehe, sollten bedenken, dass fast 30 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, als die Verjährung der Mordtaten im Dritten Reich wegen der Verjährungsfrist von 30 Jahren drohte, eine rechtliche Lösung gefunden wurde. Die Verjährung bei Mord wurde rückwirkend aufgehoben.

Insbesondere bei einem „Mord an Kinderseelen“ sollte wegen der oft das ganze Leben andauernden psychischen Probleme der Opfer die rückwirkende Aufhebung der Verjährung realisiert werden.    Ist einmal die Verjährung der furchtbaren Straftaten aufgehoben, gäbe es durchaus zu schaffende rechtliche Möglichkeiten, bundesweit alle Akten zu beschlagnahmen, die in den Bistümern nicht rechtzeitig geschreddert worden sind.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist natürlich, dass den Kirchen die eigene Gerichtsbarkeit entzogen wird.  Aber auch die finanzielle Entschädigung könnte aus den Vermögenswerten der Organisationen erfolgen, bei denen die Täter beschäftigt waren.   Was ich aber mindestens erwarte, ist, dass die Erträge kirchlich beeinflusster Sozialdienstleister, die mit der Behandlung der Opfer des Kindesmissbrauchs erwirtschaftet wurden und  wohl noch werden, rückwirkend abgeschöpft, einem Entschädigungsfonds zugeführt und daraus die Opfer entschädigt werden.

Geldverluste durch Einziehung der Beute, die auch Kriminelle aus anderen Branchen mehr fürchten als Haftstrafen, würden auch von den Organisationen gefürchtet, die diese Straftäter beschäftigt und oft auch geschützt haben. Dadurch könnten auch die zu beobachtenden Spiele, insbesondere der katholischen Kirche, mit ständig wechselnden Entschädigungssummen für die Opfer beendet werden und die diversen eckigen oder runden Tische sich wesentlichen gesellschaftlichen Aufgaben zuwenden.