1. Meinung

Musik: Mit Samba pa Ti und ziemlich weichen Knien

Musik : Mit Samba pa Ti und ziemlich weichen Knien

Zu unserem Artikel „Hermann Hesse und die rauchende E-Gitarre“ (TV vom 11. November) schreibt Axel Barta, Strohn:

Vielen Dank für Ihren interessanten Artikel über Santanas Album Abraxas, auch wenn es mir schwerfällt, die Brücke von Hermann Hesse zu Carlos Santana nachzuvollziehen. Wer sich ein wenig für Musik interessiert, verbindet viele Momente und Ereignisse in seinem Leben mit Musiktiteln. Manch einer und viele Paare haben sogar „ihr“ Lied.

Was mich wirklich sehr gewundert hat, ist, dass der Autor mit keiner Silbe des Artikels den genialen Titel Samba pa Ti erwähnt hat. Aber vielleicht ist das auch seiner Jugend geschuldet. Ist doch so ziemlich jede Anbahnung einer zwischenmenschlichen Beziehung in den frühen Siebzigern ohne diesen Titel kaum vorstellbar. Damals gab es noch Kellerpartys. Clubs und Discos waren für Teenies zu dieser Zeit noch tabu. Also wurden Reih um, von denen, die die Räumlichkeiten hatten und deren Eltern mitspielten, Partys veranstaltet, bei denen ein hoffentlich begabter Jung-DJ für die notwendige Stimmung sorgte.

Diese wurde zu Anfang mit Smokie, Slade, den Bay City Rollers, Suzi Quattro und allen möglichen sonstigen Gruppen zunächst angeheizt, um dann zu späterer Stunde und gedämpftem Licht, vielleicht sogar Schwarzlicht, eben dieses Samba pa Ti aufzulegen. Zögerlich nahmen dann alle Jungs ihren ganzen Mut zusammen, gingen mit weichen Knien auf die Mädels zu, die in der anderen Ecke des Raums zusammenstanden und vor sich hin kicherten und fragten dann leise und schüchtern mit einem Herz, das bis zum Hals pochte, und tomatenroter Birne, die man in der Dunkelheit zum Glück nicht sah:  „Willst Du mit mir tanzen?“ Und wenn die Angebetete dann auch noch ein leises „Ja“ antwortete, war der Abend gerettet. Es folgte ein, wie man damals sagte „Blues“ oder auch „Slow“, möglichst eng umschlungen und als Start von hoffentlich noch mehr. Nicht wenige der „Willst-Du-mit-mir-gehen?“-Fragen wurden vorher mit dem berühmten Samba pa Ti eingeleitet.

Wie ich durch den Artikel gelernt habe, singt Carlos Santans nicht gerne selbst. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Samba pa Ti ein reiner Instrumentaltitel ist. Zum Glück! Und alle anderen Titel der Platte waren für uns nebensächlich, wenn nicht sogar unbekannt. Denn damals kaufte man sich noch Singles. Wenn´s dann ein guter und erfolgreicher Abend war, stieg man am Ende auf sein Bonanza-Rad oder sogar Mofa und summte vielleicht ein leises „Born to be Wild“.