1. Meinung

Die Liss und die Abrechnungen

Kolumne : Richtig rechnen will gelernt sein

Ich will ja nichts sagen,

aber in alten Heimatfilmen gibt es in den Dörfern immer drei Leute, die am Stammtisch sitzen und dort beschließen, wie im Dorf was gemacht wird. Das sind im Film der Bürgermeister, der Pastor und der Schullehrer. Alle anderen meckern vielleicht zwar heimlich still und leise, aber was das dörfliche Triumvirat dort beschließt, daran bastelt keiner mehr rum.

Wenn ich jetzt so in unsere Hunsrücker Dörfer schaue, dann hat sich doch vieles geändert. Also erstens gibt es so gut wie keine Stammtische mehr, die sich sonntagmorgens nach der Messe treffen, um über das Dorfgeschehen zu maie. Die Dummschwätzerei, die es dort oft gegeben hat, die hat sich heute auf das Internet verlagert. Auf den Pastor hören viele nicht mehr, weil sie den Glauben an die Kirche sowieso verloren haben, egal, wie sehr der Geistliche sich anstrengt. Der Schullehrer ist heute eine Lehrerin, die nur noch selten im Dorf wohnt und deshalb oft nicht Bescheid weiß, was am Standort die Leute bewegt. Bleibt halt nur noch der Bürgermeister.

Und auf den wollen sie jetzt auch immer weniger hören, wie sich derzeit in Heinzerath zeigt. Da kommt doch glatt so ein Zugezogener aus der Großstadt, der rechnet nach, was die Beamten in ihren Verwaltungen so fabrizieren. Was der sich untersteht. Und dann findet der glatt noch Fehler in den Abrechnungen nach Angaben der Straßenbaubehörde und reklamiert diese. Also ganz ehrlich gesagt: Einer, der sich so was traut, der kann nicht von hier kommen, der kann nur aus Köln sein.

Also mein Hermann und ich, wir haben uns was überlegt. Mein Hermann will jetzt überall wieder Stammtische gründen, für die die pensionierten Lehrer, die in den Orten wohnen – mindestens einen gibt es irgendwie in jedem Dorf – zwangsverpflichtet werden. Die zeigen den Bürgermeistern und Dorfchefs zwischen Schnaps und Bier, wie richtig gerechnet wird, und wenn kein Pastor mehr in den Dörfern wohnt, müssen ehemalige Messdiener herhalten, damit sie den Rechenkünsten der beiden ihren Segen geben. Fragt sich nur, auf welchen Stammtisch wir die Leute von der Straßenbaubehörde schicken, damit man denen das Rechnen richtig beibringt. Aber dieses Amt sitzt bekanntlich in Trier, und vielleicht hilft es ja, wenn den Beamten der Bischof beisteht,

meint eure

Liss