1. Meinung

Die Liss zu Influencern, Instragram und Essen

Kolumne Liss : Kartoffelklöße ins Internet

Ich will ja nichts sagen,

aber Optik ist alles. Nicht nur bei Mann (und Frau) sondern auch beim Essen. Jedes Mal, wenn ich mit meinem Hermann ins Restaurant gehe, sitzt da irgendjemand, der sein Essen kalt werden lässt, nur weil er es vorher unbedingt fotografieren und das Bild ins Internet stellen will, bevor er herzhaft zubeißt. Instagramable muss es sein, heißt das neue Stichwort. Kurz: Das Essen muss auf den Fotos was hermachen, sonst isses nix. Diese Woche war ja zu lesen, dass Teerdich und Flieten wenig hermachen auf Fotos und deshalb im Internet wenig zu sehen sind. Also ganz ehrlich: Wenn ein Gericht schon so einen komischen Namen hat wie Teerdich, wer will davon auch noch ein Foto sehen? Und abgeruppte Flügel, also Flieten? Nichts für die Tochter meines Vaters. Jetzt geht es ja noch weiter mit dem Essen: im Landkreis Bernkastel-Wittlich suchen sie jetzt die beste Pommesbude, illustriert von roter Sauce über gelben Kartoffelstiften. Und in Wittlich diskutieren sie, ob der Saubraten von der Wutz besser schmeckt als die vegane Ausführung.

Was ist denn von den lokalen Gerichten am meisten im Internet vertreten? Da kommen die Hunsrücker wieder ins Spiel: Der Spießbraten natürlich. Am besten noch am Rost über dem Feuer. Also, so ein richtig guter Spießbraten, der hat doch alles, was einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt: Eine schöne Kruste, unter der sich zart gebratenes Fleisch sicher erahnen lässt.

Fragt sich nur, ob ich meine Kartoffelklöße nicht mal fotografieren und ins Internet stellen soll. Zum Kaffee folgt dann der richtig gute Streuselkuchen. Wenn ich damit mein Instagram-Konto eröffne, dann ist mir Platz eins unter den lokalen Gerichten ganz schnell sicher,

 meint eure Liss