Klassenkampf im Hunsrück

Kolumne : Klassenkampf im Hunsrück

Ich will ja nichts sagen, aber die Trierer haben es ja gerade mit ihrem Marxe Karl. Da sind die Chinesen, die Historiker, die Schullehrer, alle wollen sie nach Trier. Dabei haben wir auf dem Hunsrück auch viele Marxe und andere Leute mit schönem Namen, da würden sich doch auch mal Ausstellungen bei uns lohnen.

Gut, es hat kein Hunsrücker so was wie ein Kommunistisches Manifest geschrieben. Dafür sind wir zu bodenständig und nicht so revoluzzerhaft wie der Trierer Rauschebart. Und wegen eines Mettlers, Deckers, Weyands, Keupers oder Fetzers würde auch kein Chinese zu uns kommen. Aber mit der Umverteilung von Geld, da wissen wir Hunsrücker gut Bescheid.

Jedenfalls ich, wenn ich mir meinen Hermann anschaue. Das ist ein ewiger Klassen- und Ehekampf. Für ihn bin ich die herrschende Klasse, weil ich ihm sein, wie ich finde,  ausreichend bemessenes Taschengeld zuteile, und er fühlt sich als unterdrückter Arbeiter, der von seiner Kapitalistin knapp gehalten wird.

Also ganz unter uns: Das stimmt natürlich überhaupt nicht. Er bekommt von mir genug Taschengeld. Und wenn er sich dann beschwert und aufmüpfig wird, gebe ich ihm Arbeit: Rasen mähen, Hof kehren, Hecken schneiden. Und bevor er das nicht zu meiner Zufriedenheit gemacht hat, gibt es kein Abendbrot.

Ihr seid sicher meiner Meinung: Das ist doch keine Ausbeutung, sondern das einzige Mittel, einen Hallodri wie meinen Hermann in Schach zu halten, meint eure Liss